A Darker Shade of Magic von V.E. Schwab

Cover A Darker Shade of Magic

Kell ist ein Antari, ein Blutmagier, einer der zwei letzten seiner Art. Diese Magie ermöglicht es ihm, zwischen den Welten hin und her zu reisen. So führen ihn seine Aufträge als königlicher Botschafter von seiner Heimat Red London nach White London und Grey London. Er ist Mitglied der königlichen Familie in Red London, zwar nicht blutsverwandt, aber doch geliebt wie ein zweiter Sohn neben dem Prinzen Rhy. Offiziell überbringt er jeden Monat die Korrespondenz zwischen den Königshäusern, inoffiziell schmuggelt er jedoch immer wieder interessante Waren über die Grenzen. Sein Bruder Rhy hat ihn fast dazu gebracht, dieses Hobby aufzugeben, weil es nicht nur illegal ist, sondern auch gefährlich werden kann, als er einen letzten Auftrag annimmt: Eigentlich soll er nur einen Brief transportieren, doch kaum will er ihn abliefern, bemerkt er, dass er reingelegt wurde und etwas viel schlimmeres über die Grenzen geschmuggelt hat. Auf der Flucht vor seinen Verfolgern trifft er dann auf Lila, eine Diebin, die ihm dann ausgerechnet diesen gefährlichen Gegenstand stiehlt, nicht wissend, dass sie sich damit selbst in Gefahr gebracht hat.

“As Travars,” he said. Travel.
This time, the magic listened, and obeyed. The world rippled, and Kell stepped forward through the door and into darkness, shrugging off Grey London like a coat.

Victoria Schwab scheint an Türen zwischen den Welten Gefallen gefunden zu haben. Schon bei The Archived war dies das Thema und hier ist es das wieder. Während ich es aber bei The Archived als recht einseitig empfunden habe, war die Welt hier viel besser, vielseitiger und interessanter umgesetzt. Allein die Vorstellung von verschiedenen Londons fand ich unglaublich toll, die Wirklichkeit in der Geschichte ist sogar noch viel toller. Jedes London ist anders, mit Magie oder ohne, mit gütigen Herrschern oder gewalttätigen, mal hier und mal dort auf der Landkarte zu finden. Der Name London ist das einzige, was diese Städte zu verbinden scheint. Vor langer Zeit gab es außerdem ein Black London, das sich mit seiner mächtigen Magie jedoch am Ende selbst zerstört hat. Im Nachhinein wurden alle Artefakte aus dieser Welt zerstört, doch ganz verschwunden scheint diese Stadt doch nicht zu sein.

The Shadow Thief, they called her. They’d drawn her even taller and thinner than she actually was, stretched her into a wraith, black-clad and fearsome. The stuff of fairy tales. And legends.
Lila winked at the shadow before going in.

Glücklicherweise ist das world building in diesem Fantasy-Roman so gut gelungen, man kann im Vergleich zur The Archived-Reihe wirklich eine Verbesserung erkennen. Auch die Handlung war in großen Teilen spannend, logisch und liebevoll aufbereitet. Bei den Charakteren konnte ich allerdings leider keinen Fortschritt spüren. Wie auch bei ihren früheren Werken hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Charaktere weiterentwickeln. An sich hat jeder eine interessante Persönlichkeit, doch zum ersten Eindruck kommt leider auch nicht viel hinzu, sodass besonders die Protagonisten schnell durchschaubar werden. So gab es beispielsweise schon recht witzige Dialoge zwischen Kell und Lila, die sich vom Konzept her allerdings irgendwann nur noch wiederholten. Auch die Bösen in dieser Geschichte fand ich — naja, einfach zu böse, zu einseitig böse und damit langweilig. Antagonisten können so interessant sein, hier wurde bei den Feinden allerdings nur eine Seite der Medaille gezeigt. Daran musste dann leider auch die Handlung manchmal kranken, da auch diese an einigen Stellen vorhersehbar und am Ende für mein Gefühl viel zu gehetzt wirkte.

“Aren’t you afraid of dying?” he asked Lila now.
She looked at him as if it were a strange question. And then she shook her head. “Death comes for everyone,” she said simply. “I’m not afraid of dying. But I am afraid of dying here.” She swept her hand over the room, the tavern, the city. “I’d rather die on an adventure than live standing still.”

Diese Geschichte wird wohl noch zwei Fortsetzungsbände haben, dennoch ist es auch möglich dieses Buch als Einzelband zu lesen. Das Ende ist abgeschlossen und hat keinen Cliffhanger, ein paar weitere Abenteuer sind aber dennoch vorstellbar.

A Darker Shade of Magic ist eine Geschichte, die durch ihr interessantes world building und nicht durch ihre Charaktere besticht. Trotz meiner Kritik an den Charakteren habe ich das Buch jedoch trotzdem ziemlich genossen, weil ich die Welten einfach so gut spüren konnte. Die verschiedenen Londons sind faszinierend und die Autorin zeigt wirklich unglaublich viele Facetten dieser Schauplätze.

“Sure I do,” countered Lila cheerfully. “There’s Dull London, Kell London, Creepy London, and Dead London,” she recited, ticking them off on her fingers. “See? I’m a fast learner.”


Reiheninformation:

#1: A Darker Shade of Magic
#2: A Gathering of Shadows (23. 02. 2016)
#3: Untitled


Über die Autorin:

Victoria is the product of a British mother, a Beverly Hills father, and a southern upbringing. Because of this, she has been known to say “tom-ah-toes,” “like,” and “y’all.”

She also tells stories.

She loves fairy tales, and folklore, and stories that make her wonder if the world is really as it seems.
(Quelle: Goodreads.com)


V.E. Schwab: A Darker Shade of Magic. TOR. 2015. 400 Seiten, ca. 4 – 15€ je nach Ausgabe.

3 Kommentare

  • Interessant, das ist die erste ambivalente Meinung, die ich lese. Entweder die Leute sind begeistert oder sehr verhalten. Ich bin immer noch am Abwägen, ob ich das Buch lesen soll, weil mich die Autorin interessiert und die Geschichte neugierig macht. Auf Fortsetzungsgeschichten habe ich allerdings wenig Lust. :) Wie ist die „Cliffhanger-Stärke“ bei diesem Buch? Meinst du, es lässt sich auch so als Einzelband lesen?

    • Ich muss sagen, dass ich vor dem Lesen ausschließlich begeisterte Meinungen gehört habe, deshalb waren meine Erwartungen unglaublich hoch. Ähnlich ist es ja auch bei ihrem anderen Werk „Vicious“, das wird auch so hoch gelobt. Das Buch ist gerade auf dem Weg zu mir, bin mal gespannt…
      Ein Cliffhanger ist im Grunde nicht vorhanden. Das Abenteuer ist am Ende des Buches abgeschlossen und man muss sich nicht ärgern, dass die Geschichte einfach mittendrin abbricht (so was gibt es leider immer öfter und ich fühle mich dann nur verarscht). Ich finde also schon, dass das hier gut als alleinstehender Band gelesen werden kann. Ich habe mir noch mal den Klappentext zu Band 2 durchgelesen und das klingt alles nach einem ganz neuen Abenteuer, das mit der Handlung von Band 1 nicht eng zusammenhängt. (Aber lies den lieber nicht, der verrät das Ende von Band 1 ;) )

  • Das Buch möchte ich auch unbedingt noch lesen. Ich habe bisher nur Gutes darüber gehört, aber ausschlaggebend für mich war einfach London. Ich liebe diese Stadt so so sehr. Dass sie hier dann gleich viermal vorkommt, klingt einfach perfekt. :D

    Eine schöne Rezension. :)

    Liebe Grüße
    Anabelle

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