Alternativen von Leif Tewes

Alternativen ist ein Buch, das zwischen den zunächst unauffälligen Deckeln eine Geschichte offenbart, die es in sich hat. Weil sie so sehr an unsere politische Realität der letzten Monate und Jahre erinnert, dass es mir beim Lesen Gänsehaut bereitet hat. Der Autor Leif Tewes ist zur Recherche für diesen Krimi in die AfD eingetreten, um die Menschen, die sich dort treffen, mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Das ist schon ein ganz neues Level der Selbstaufopferung. Der Protagonist Thomas und seine Erlebnisse entspringen wahrscheinlich zum Teil aus dieser Recherche. Diesen kann man wohl als einen besorgten Bürger bezeichnen und als Konsequenz tritt dieser auf den ersten Seiten des Krimis in die Partei „Die besseren Deutschen“ ein. Neben Thomas begleiten wir in einigen Kapiteln auf noch Farim und den IS sowie Kommissar Berg, der bei der Polizei mit politischen Machenschaften zu tun bekommt.

Cover Alternativen

Der Krimi beginnt zunächst damit, dass Thomas, der sowieso schon eher in Richtung besorgter Bürger eingeordnet werden kann, einen Raubüberfall erlebt. Seine Gedanken und sein Unmut überschlagen sich daraufhin fast, sodass die Worte seiner Freundin, die mit Geflüchteten arbeitet, gar keine Wirkung mehr zeigen. Vielmehr ist es ein Kollege, der ihn darauf hinweist, dass die von der Partei Die besseren Deutschen (DbD) ja endlich mal was ~dagegen~ tun würden. Sie gehen also gemeinsam zu einem Treffen, Thomas tritt tatsächlich in die Partei ein, mausert sich dort echt schnell und bekommt immer höhere Positionen und Verantwortungen. Damit sieht er auch immer mehr Dinge, die ansonsten von außen nicht sichtbar sind, und stößt dabei auf Methoden, die sowohl kriminell sind als auch Menschen schaden. Zwei weitere Handlungsstränge bilden sich um den Polizisten Berg und um den jungen Mann Farim, der für den IS rekrutiert wird. Durch diese beiden Personen gibt es Einblicke hinter die jeweiligen Kulissen, die sich nach und nach vermischen.

Viele Charaktere, vor allem die meisten Nebencharaktere, stellen in diesem Krimi ein überspitztes Extrem entweder des linken oder des rechten politischen Spektrums dar. Das wirkt an einigen Stellen etwas zu überzogen und klischeebeladen. Dennoch entstehen dadurch mitunter durchaus glaubwürdige Personen und Handlungen.
Der Krimi selbst hat mich am meisten durch die gute Recherchearbeit des Autors überzeugt. Stellenweise liest sich der Handlungsstrang um Thomas und die DbD wie Kommentarspalten bei Facebook oder auf diversen Nachrichtenwebseiten. Dass die Partei in diesem Buch von der Realität inspiriert wurde, zeigt sich zuletzt auch durch die humorvolle Benennung ranghöherer Personen bei der DbD. In den meisten Fällen ist schnell zu erkennen, welche Person da gemeint sein könnte, spätestens jedoch wird es dann deutlich, wenn die Charaktere Sätze sagen, die wirklich von Politiker*innen der AfD stammen. Das, was wir mit Thomas erleben, ist also geprägt von aktuellen und wiedererkennbaren Zitaten und Andeutungen aus der Gegenwart. Die Inspiration aus der Realität macht den Krimi sogar noch beklemmender. Hoffnung gibt es dann wiederum dadurch, dass viele Dialogen zwar einerseits aus den fast zu klischeehaften Äußerungen von Fans dieser Partei bestehen, andererseits auf der Gegenseite gute Argumentationsstrategien zu sehen sind. (Falls denn auf der rechten Seite tatsächlich mal jemand an einem ernsthaften Diskurs interessiert wäre…)

Der Krimi Alternativen ist einerseits durch den gezeigten Rassismus und den Hass auf bestimmte Menschengruppen harter Tobak. Zusätzlich kommt noch eine weitere heftige Ebene hinzu, sobald sich zeigt, inwieweit die drei Handlungsstränge miteinander verwoben sind. Wie es eigentlich dazu kommt, dass junge Männer sich für den IS interessieren und von ihm manipuliert werden; wie so eine Polizeistelle aussieht, wenn dort rechte Gesinnungen in den Köpfen von hochrangigen Beamten sind. Trotz und wegen der klischeehaft überspitzten Charaktere und Dialoge empfehle ich diesen spannenden Krimi, der mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten kann.


Weitere Besprechungen:

  • „Ich will unbedingt, dass dieses Buch von möglichst vielen Menschen gelesen wird“, schreibt Buchstaebliches.
  • „Mit »Alternativen« präsentiert Leif Tewes den richtigen Roman zur richtigen Zeit. Ohne dauerhaft mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen gelingt es dem Buch, den Leser in eine Welt eintauchen zu lassen, die so erschreckend ist, dass man sie am liebsten nicht ernstnehmen würde“, ist das Fazit bei Stuffed Shelves.

Leif Tewes: Alternativen. Größenwahn Verlag. 2017. 289 Seiten.


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an Leif Tewes.

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