Am Freitag sehen wir uns wieder von Karin Koch

Ich habe nun bereits einige Jugendromane gelesen, die sich mit Rassismus beschäftigen und damit, was passiert, wenn junge Menschen auf andere junge Menschen treffen, die gerade erst hierhergekommen sind und sich unsicher – wenn nicht gar voller Angst – fühlen, was nun aus ihnen wird. Vor ein paar Tagen erst wurden Abschiebungen nach Afghanistan wegen des Anschlags in Kabul vorerst ausgesetzt. Viele Menschen sehen wohl nur solche extremen Nachrichten, reagieren entsetzt, wütend oder mit einer gewissen Genugtuung. Karin Koch nimmt sich unter anderem dem Thema der Abschiebung in Am Freitag sehen wir uns wieder an. Die Protagonistin Juni trifft auf Sahal aus Somalia, der immer noch wirkt, als wäre er auf der Flucht.

Cover Am Freitag sehen wir uns wieder

Junis Eltern leben getrennt, und ihre Mutter Angelika hat noch nicht ganz verkraftet, dass Juni sich entschieden hat bei ihrem Vater auf dem Land zu leben. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist deshalb nicht das einfachste und Juni sieht den gemeinsamen Ferien in Berlin nicht sehr entspannt und freudig entgegen. Als sie dort allerdings direkt zwei Menschen wiedertrifft, die sie schon lange nicht mehr gesehen hat, scheinen die Ferien doch noch interessant zu werden. Der erste ist ein Freund von früher, Karl, der andere ist Sahal, ein Geflüchteter aus Somalia, den sie vor einiger Zeit in der Schule und danach nie wieder gesehen hat.

Am Freitag sehen wir uns wieder ist eine gefühlvolle Geschichte ohne Kitsch, die typische Teenager-Probleme mit sehr ernsten Themen verbindet und deshalb eine tolle Unterhaltung mit Mehrwert bietet. Sowohl zwischen Juni und den beiden jungen Männern als auch zwischen Juni, ihren Eltern und ihrem Bruder bestehen verschiedene, lebhafte Dynamiken, die besonders Juni, aber auch die anderen Charaktere Seite für Seite lebendiger werden lassen. Sie ist eine ungewöhnliche Protagonistin, sehr eigen und dazu noch mit recht speziellen Eltern. Juni wirkt für ihr Alter gleichzeitig sehr erwachsen und sehr jung; es gibt Momente, in denen sie reflektiert handelt, in anderen nutzt sie dagegen eher die Kopf durch die Wand-Methode. Diese Abwechslung ist zunächst erfrischend, zum Ende hin habe ich allerdings die Reflexionen etwas vermisst. Konsequenzen aus dem teilweise sehr hektischen und unüberlegten Geschehen schien es nicht zu geben. So konnte sich das Buch jedoch auf die Beziehungen zwischen den Charakteren und im Besonderen auf Sahal konzentrieren. Juni ist zunächst ratlos, wie sie ihm helfen soll, tut allerdings ihr Bestes, damit er ihr irgendwann vertrauen kann.

Sahal kam aus Somalia nach Deutschland, eines der vermeintlich sicheren Herkunftsländer, und hat panische Angst, dass man ihn zurückschicken könnte. Er erzählt nicht nur, warum er geflüchtet ist, sondern auch, was er auf dem Weg erlebt hat und wie er hier empfangen wurde. So beleuchtet Karin Koch an Sahal als Beispiel, was passiert, wenn Geflüchtete hier ankommen, in diesem Fall ein unbegleiteter junger Mann, und warum sie gerade Deutschland wählen, wenn sie aus einem Land hierherkommen, das doch eigentlich gar keinen Krieg hat. Deshalb ist auch dieses Jugendbuch, das die Begegnung mit einem geflüchteten Menschen behandelt, ein wichtiges und lesenswertes.


Karin Koch: Am Freitag sehen wir uns wieder. Peter Hammer Verlag. 2017. 210 Seiten, 15,90€. Laut Verlag ab 12 Jahren empfohlen.


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an den Peter Hammer Verlag.

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