American Gods von Neil Gaiman

Cover American Gods

Neil Gaiman gehört zu meinen absoluten Lieblingen, weil seine Geschichten einfach immer etwas Besonderes sind, das ich so vorher noch nie gelesen habe. Doch sein laut Goodreads meistgelesenes Buch American Gods habe ich jahrelang ignoriert. Ich hatte es zwar schon vor längerer Zeit erworben, aber es hat nie laut nach mir gerufen. Der Klappentext klang interessant, aber mehr auch nicht. Tatsächlich ist das Buch natürlich viel mehr als nur interessant, es hatte zwar zwischendurch einige Längen, aber selbst dann war es unglaublich facettenreich und spannend.

Zu Beginn von American Gods ist der Protagonist Shadow noch im Gefängnis und büßt seine letzten Tage ab. Er freut sich unglaublich darauf, seine Frau Laura nach drei Jahren wiederzusehen, doch genau da fangen seine Probleme und Schicksalsschläge schon an: Ein paar Tage vor seiner offiziellen Entlassung erreicht ihn die Nachricht, dass Laura einen tödlichen Autounfall hatte. Er darf früher gehen, um bei der Beerdigung dabei sein zu können. Auf dem Flug dorthin sitzt er neben einem alten Mann, der sich als Mr. Wednesday vorstellt und komischerweise alles über Shadows Leben weiß. Dieser ist natürlich irritiert, als Wednesday ihm auch noch einen Job anbietet, und flieht vor ihm. Doch natürlich . . . Wednesday findet ihn sofort wieder. Und hier geht’s los mit den kreativsten phantastischen Elementen aus Gaimans Feder.

Cover American Gods

Die neue deutschsprachige Ausgabe, neu und diesmal komplett übersetzt von Hannes Riffel, erschienen im Eichborn Verlag.

Dieses Buch hat die Atmosphäre eines Roadtrips, ohne dass ich mir lange Zeit klar darüber war, wohin es denn überhaupt gehen soll. Und das war auch vollkommen egal, denn „Der Weg ist das Ziel“ passt einfach haargenau auf diese Geschichte, die so voller Facetten, Details und natürlich fast unglaublicher und krasser Ereignisse ist. Shadow trifft hier auf die ungeheuerlichsten Personen und Orte, wovon natürlich alles charakterisiert und somit doch irgendwie greifbar wird. Einige Längen entstehen dadurch, dass manche Details einfach tiefer als nötig beschrieben werden. Die schiere Größe hat es mir über lange Strecken fast unmöglich gemacht zu beurteilen, was hier wichtiger ist als anderes oder wo überhaupt irgendwelche Zusammenhänge sind. Doch immerhin, Gaimans traumhafter Schreibstil lässt sich in jedem Satz erkennen.

No man, proclaimed Donne, is an Island, and he was wrong. If we were not islands, we would be lost, drowned in each other’s tragedies. We are insulated (a word that means, literally, remember, made into an island) from the tragedy of others, by our island nature, and by the repetitive shade and form of the stories.

In American Gods geht es selbstverständlich tatsächlich um Götter. Was passiert mit all den Göttern der vielen verschiedenen Menschen, die nach Amerika gewandert sind, die zunächst noch fest an sie geglaubt haben, aber in diesem neuen und riesigen Land so viel anderes vorgefunden haben? Neil Gaiman kritisiert die Gesellschaft in den USA, manchmal klischeehaft, aber immer mit seiner eigenen besonderen Würze und den außergewöhnlichsten übernatürlichen Elementen. Er schafft es dabei immer wieder, dass ich beim Lesen gleichzeitig „Was zum …!?“ dachte, ihm die Beschreibungen und Ereignisse aber trotzdem genau so abnahm.
American Gods ist damit ein Buch, das Geduld fordert und in das man sich einfach fallen lassen sollte, egal was kommt. Neil Gaiman fasst es in diesem Roman selbst ziemlich gut zusammen:

Fiction allows us to slide into these other heads, these other places, and look out through other eyes. And then in the tale we stop before we die, or we die vicariously and unharmed, and in the world beyond the tale we turn the page or close the book, and we resume our lives.


Reiheninformation:

#1: American Gods
#2: Anansi Boys


Neil Gaiman: American Gods. HarperTorch. 2002. 592 Seiten, ca. 2 – 10€ je nach Ausgabe.

Deutschsprachige Ausgabe: Neil Gaiman: American Gods. Übersetzt von Hannes Riffel. Eichborn. 2015. 672 Seiten, 14€.

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