Antidepressiva, ein persönlicher Bericht #wspd2018

Ein Mädchen mit braunen Haaren, einem blauen Kleid, das ein Buch umklammert und nach unten blickt. Im Hintergrund ein Wald, Bäume mit knorrigen Ästen.

Es war nicht einfach diesen Beitrag zu schreiben und es ist der persönlichste Text, den ich je geschrieben habe. Ich habe Angst davor ihn zu veröffentlichen. Letzte Woche war der #wspd2018, der World Suicide Prevention Day 2018. Dieser Artikel reiht sich in viele weitere Texte zum Thema ein, einige davon werde ich unten verlinken.

Ich nehme seit etwas mehr als vier Wochen jeden Tag eine Tablette. Es handelt sich dabei um SSRI (Selective serotonin reuptake inhibitors, deutsch: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), die mir nach vielen Rückschlägen vom Hausarzt verschrieben wurden. Dieses Medikament hat mir das Leben gerettet oder, wenn das zu dramatisch klingt, es hat mir mein Leben so krass erleichtert, dass ich meinen Alltag momentan kaum wiedererkennen kann. Ich möchte hier über Vorher und Nachher schreiben, über meinen Alltag mit Depression und über meinen Alltag mit Depression und Antidepressivum. Ich bin keine Fachperson und kann hier nicht aus einer medizinischen Position schreiben, sondern nur über meine eigenen Erfahrungen berichten. Bitte beachtet das beim Lesen. Bitte achtet beim Lesen auch auf euch selbst und auf eure Stimmung. Viele Erfahrungen, die ich hier schildere, enthalten Suizidgedanken (aber keinen Suizidversuch oder ähnliche Beschreibungen). Für den gesamten Beitrag gilt also:

CN Depression, (passive) Suizidgedanken

Meine Umwelt ist (k)eine Hilfe

Wahrscheinlich bin ich seit etwas mehr als einem Jahr von Depressionen betroffen. In den ersten Monaten habe ich sie zunächst gar nicht als das erkannt. Ich ging davon aus, dass ich einfach nur überarbeitet war und etwas Ruhe brauchte, also zog ich mich häufig zurück und kommunizierte kaum. Davon wurde es allerdings nicht besser. Anfang 2018 traute ich mich einem Freund an, ich sagte zum ersten Mal: „Mir geht’s wirklich schlecht. Ich schaffe das nicht allein.“ Im Verlauf des Gesprächs kamen neben vielen anderen Tipps auch Antidepressiva auf. Vorher hatte ich nie groß darüber nachgedacht, was sicher auch am Stigma liegt. Die gesellschaftliche Meinung zu Depressionen im Allgemeinen und Antidepressiva im Speziellen ist, locker gesagt, beschissen und gefährlich. Von „Man muss es zuerst mit einer Therapie versuchen, bevor man die Chemiebombe nimmt“ bis zu „Antidepressiva verändern die Persönlichkeit und machen dich zu einem Zombie“ war alles dabei. Danke Gesellschaft, dass du mich so lange daran gehindert hast, mir Hilfe zu suchen, du Pissbirne!

Menschen, die sich ein Bein gebrochen haben, bekommen ja auch schon Schmerzmittel, bevor sie zur Reha gehen.

Mein erster Besuch beim Hausarzt war dann genauso ernüchternd wie diese Beispiele, denn auch er war der Meinung, dass ich mir doch zuerst einen Therapieplatz suchen sollte. Dass ich aber schon längst in einem tiefen Loch war und da unten kaum noch handeln konnte, hat er mir anscheinend nicht abgenommen. So vergingen zwischen dem ersten Besuch und dem Rezept, das ich vor kurzem endlich erhielt, ganze sieben Monate. Sieben Monate, in denen es von Woche zu Woche schlimmer wurde, in denen ich immer weniger kommunizieren und noch weniger arbeiten konnte. Sieben Monate, in denen ich natürlich keinen Therapieplatz gefunden habe, mir aber immer sicherer wurde, dass ich Hilfe brauche, die schnell wirkt. So weit zur Vorgeschichte, jetzt möchte ich euch erzählen, wie sich mein Alltag seit der ersten Tablette verändert hat.

Zuerst: Nebenwirkungen

Chemische Formel von Serotonin

Serotonin

Antidepressiva entfalten ihre Wirkung nach ungefähr zwei Wochen und dieser Zeitraum traf auch bei mir zu. Was ich allerdings sofort hatte, waren Nebenwirkungen. Bei den ersten drei Tabletten hatte ich Bauchkrämpfe und mir war sehr übel. Eine Woche lang hatte ich so eine extreme Müdigkeit, dass ich kaum denken konnte, gleichzeitig war mein Körper allerdings auch so nervös, dass ich mich nicht ausruhen, geschweige denn schlafen konnte. Ab der zweiten Woche wurde es langsam besser. Nervosität und Müdigkeit waren immer noch da, allerdings sehr viel schwächer als zu Beginn. Die erste Woche mit den schlimmen Nebenwirkungen will ich so nie wieder erleben müssen, da bin ich ganz ehrlich. Das durchzuhalten hat sich allerdings vollkommen gelohnt. Ob und wie viele Nebenwirkungen auftreten können, ist bei jeder Person anders und anscheinend hatte ich in dem Fall besonderes Pech. Bitte lasst euch von mir nicht entmutigen. Wenn das Antidepressivum dann wirkt, kommt die Erleichterung.

Wozu überhaupt?

Die Depression hat bei mir bewirkt, dass auf meinen Gedanken und Gefühlen zu fast jeder Zeit ein riesiges Gewicht lag, das alles herunter gedrückt hat. Dieses Gewicht führte dazu, dass gute Laune fast unmöglich war, dass ich fast immer vor Angst und Panik einen Kloß im Hals hatte und dass ich mich auf nichts konzentrieren konnte. Teilweise war ich nicht mal konzentriert genug, um Tweets aufnehmen zu können oder Serien zu schauen, die ich schon kannte. Was sich im Laufe der Monate langsam eingeschlichen hat, war eine fehlende Zukunftsperspektive. Seit dem Masterstudium, das ich vor zwei Jahren beendet habe, weiß ich recht genau, wie ich weitermachen will. Das ist mittlerweile verschwunden. In die Zukunft zu schauen fällt mir sehr schwer, weil ich keine Zukunft mehr sehe. An meiner Dissertation zu arbeiten fällt mir schwer, weil ich mich ständig frage, wozu ich das überhaupt mache, wenn es für mich sowieso keine Zukunft geben wird; schon gar keine im akademischen Bereich, da ich mich viel zu ambitionslos fühle und sowieso: was sehen die alle in mir? Fehlendes Selbstwertgefühl und daraus resultierende Panikattacken waren an der Tagesordnung.

Du hast es verdient, dass es dir besser geht, auch wenn dein Kopf dir etwas anderes einredet.

Überhaupt: Stichwort Tagesordnung. Die gibt es bei mir schon lange nicht mehr. Aufstehen, duschen, anziehen, frühstücken, das Frühstück wieder aufräumen etc. dauert mindestens doppelt so lange wie vor der Depression. Wenn es denn überhaupt klappt. Und das zieht sich dann über das Mittagessen, durch den Arbeitstag bis zum Abend. Alles ist anstrengend, weil ich mich erst dazu überreden muss, etwas zu machen, während die Depression mir einflüstert, dass es doch sowieso nichts bringt. All diese Punkte waren wie die unangenehmen Dinge auf der To Do-Liste, die monatelang darauf stehen bleiben, weil man einfach nie die Motivation dafür hat. Stellt euch vielleicht mal vor, wie schwierig es sein muss, jeden Morgen mindestens 30 Minuten im Bett zu liegen und mit sich selbst zu diskutieren, warum aufstehen a) nötig und b) machbar ist. Dass davon nicht die Welt untergehen wird. Nur um dann später ausgehfertig in der Wohnung zu stehen und nicht zur Tür gehen zu können, weil man panische Angst vorm Draußen hat. Dort draußen ist alles eine Gefahr. Gewohnte und neue Umgebungen, gewohnte und neue Menschen sind nie sicher. Stell dir mal vor, du gehst von der Arbeit nach Hause und hast Hunger und riesigen Appetit auf diese eine Sache, die du nicht daheim hast. Auf dem Weg nach Hause ist ein Supermarkt, in dem du das kaufen könntest, aber die Menschen in der Bahn waren dir schon zu viel, zu laut, zu aufdringlich, die haben dich mit so einem verurteilenden Blick angeschaut. Diese kurze Reise hat dich so viel Kraft gekostet, dass du einfach nur nach Hause möchtest, allein sein, in die gefühlte Sicherheit. Du kannst einfach keinen Umweg, und mag er noch so klein sein, in diesen Supermarkt machen. Zuhause sind dann zwar keine anderen Menschen mehr, aber dein Kopf. Dein Kopf, der dir wieder einflüstert, dass alles wertlos ist, du ganz besonders, hat doch alles keinen Sinn mehr, dann brauchst du auch keine Schokolade, die macht dich eh nicht glücklich, du hast Glück doch gar nicht verdient. So etwas kann eine unendliche Schleife sein, immer und immer wieder das Gleiche, mit jeder Stunde schlimmer. Das Schrecklichste daran war häufig, dass mir klar war, warum ich so denke. Ich habe die Depression oft erkannt, aber ich war machtlos. Ich wollte das so schon lange nicht mehr haben, aber wusste einfach nicht, wie ich da wieder wegkomme. Aber es gibt tatsächlich etwas, das hilft. Und in meinem Fall ist es für den Anfang SSRI.

Hallo Alltag, ich habe dich wiedergefunden

Mit SSRI habe ich mir einen geregelten Tagesablauf mittlerweile wieder ganz gut erkämpft. Ich wache auf, ich tippe ein wenig auf meinem Handy rum, dann bekomme ich recht schnell Hunger und – haltet euch fest! – stehe einfach auf und mache mir Frühstück. Dieses „einfach machen“, ich weiß endlich wieder, was das ist. Ich muss vorher nicht mehr stundenlang nachdenken, ob und wie ich etwas am besten mache, ich mache es. Eine weitere Wirkung des Medikaments ist, dass ich nicht mehr so häufig mit einer extrem niedergedrückten Stimmung aufwache, die ich mir oft noch vom vorigen Abend mitgenommen habe. Meine Abende liefen häufig nach einem ähnlichen Schema ab: Je später es wurde, desto ängstlicher wurde ich. Egal welche Uhrzeit ich am Wecker eingestellt hatte, es hat mich immer unter Druck gesetzt, dass ich nicht genügend Schlaf bekommen würde. Häufig bin ich allerdings sowieso früh ins Bett gegangen, damit der Tag endlich zu Ende gehen kann, aber auch das hat mich in ein Dilemma gebracht. Ich wollte „heute“ nicht mehr haben, vor „morgen“ hatte ich aber auch Angst und bin deshalb immer mit dem Gefühl von impending doom eingeschlafen. Immerhin konnte ich schlafen, aber erholsam war es durch meine Angst leider auch nicht. SSRI hat die Angst nun massiv abgeschwächt. Mir fallen täglich viele Situationen ein, die mir vor ein paar Wochen noch schlimme Panik beschert hätten, die ich jetzt aber wieder relativ gut durchstehe. Die Panik ist zwar oft noch unterschwellig da, aber sie lähmt mich nicht mehr. In die Zukunft blicke ich zwar immer noch nicht so häufig, aber ich kann mich ganz gut im Jetzt arrangieren. Mein Selbstwertgefühl ist wahrscheinlich immer noch nicht viel besser, aber momentan ist es mir egal. Das gilt auch für andere Gefühle. Häufig ist meine Stimmung neutral, ich denke oft „Joa, whatever“. Das mag kein Idealzustand sein, aber er belastet mich verglichen mit der schlimmen Angst, die ich vorher ununterbrochen hatte, nicht. Was ich wieder viel stärker fühle, ist Zuneigung zu anderen Menschen; mir fällt es auch viel leichter, diese zu zeigen und ich gestehe mir auch endlich zu, diese positiven Gefühle zu haben. Sogar Freude und Motivation für Hobbys lassen sich mehrmals in der Woche blicken.

Es gibt einen Weg nach oben

Antidepressiva sind keine Teufel, keine Chemiekeule, keine Brechstange. Antidepressiva gehören zu den Mitteln, die es schaffen können, Lebenswillen wiederherzustellen. Durch SSRI habe ich es geschafft, wieder einen Alltag zu finden, der nicht ununterbrochen anstrengend ist. Meine Angst belastet nicht mehr jeden Moment. Das tiefe Loch ist jetzt wesentlich weniger tief.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Erfahrungsbericht ein wenig dazu beitragen kann, das Stigma von Depressionen und Antidepressiva zu bekämpfen. Ich hoffe, dass ich Betroffenen Mut geben kann. Die letzten Monate waren schlimm, aber es gibt einen Weg da wieder rauszukommen. Falls es dir gerade ähnlich geht, überlege dir doch vielleicht, ob du zu einer Fachperson (zum Beispiel dein*e Hausärzt*in) gehen und über deine Optionen sprechen kannst. SSRI könnte ein Weg sein, der dir jetzt akut helfen kann. Es ist wichtig, dass du wieder Kraft bekommst, um zum Beispiel einen Therapieplatz suchen zu können. Menschen, die sich ein Bein gebrochen haben, bekommen ja auch schon Schmerzmittel, bevor sie zur Reha gehen. Du hast es verdient, dass es dir besser geht, auch wenn dein Kopf dir etwas anderes einredet.


Weitere Beiträge zum #wspd2018

14 Antworten auf “Antidepressiva, ein persönlicher Bericht #wspd2018”

  1. […] Cindy von Piranhapudel berichtet wie es ihr mit ihren Antidepressiva geht […]

    Antworten

  2. Hallo Cindy,

    vielen Dank für diesen persönlichen und so wichtigen Beitrag.
    SSRI High Five! Ich bin ja gerade dabei, sie wieder abzusetzen und hoffe, dass ich dieses wunderbare „Dinge einfach machen“ auch ohne beibehalten kann. Ansonsten ist jedenfalls klar, dass ich sie wieder nehmen werde.
    Denn wie du, habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass sie mein Leben um 180° umgestülpt haben. Aufstehen, Dinge erledigen und dabei klar und zufrieden sein – einfach leben. Etwas, von dem ich dachte, dass es nicht mehr möglich sein wird.
    Vor allem machen die Medikamente es aber möglich all diese dunklen Gedanken beiseite zu schieben und sich weiterzuentwickeln. Sein Selbstbewusstsein stärken, Dinge genießen, Hobbys betreiben, Routinen einbauen, Psychohygiene, Ängste bekämpfen. All das ist nicht möglich, wenn man am Boden liegt.

    Ich hoffe, dass viele Leute deinen Beitrag lesen und den Medikamenten eine Chance geben.
    Vielen Dank, dass du so mutig und offen bist. Alles Gute für dich und nur das Beste für die Zukunft.

    Viel Liebe,
    Babsi

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    1. Liebe Babsi,

      ich drücke dir die Daumen, dass das Ausschleichen bei dir klappen wird oder dass rechtzeitig klar wird, falls es doch nicht so gut klappt. Und überhaupt! :)

      Was du über die Wirkung vom SSRI geschrieben hast, kann ich auch so bestätigen. Dunkle Gedanken, Gewichte, Nebel, das wird häufig vom Medikament weggedrückt, bevor ich richtig bemerke, dass es überhaupt da war. Und ich habe seitdem so viele Bücher gelesen, weil ich mich einfach wieder konzentrieren kann. Geil!

      Für dich auch nur das Beste <3

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    2. Genauso ging es mir auch. Das SSRI hat mein Leben gerettet.Ich habe es sehr lange rausgezögert sie zu nehmen. Die Liste der Nebenwirkungen haben mich abgeschreckt. Dazu die vielen Warnungen.Es ist immer ein Versuch wert, wenn Hoffnung auf Besserung in Sicht ist!!!

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      1. Dein Beitrag ist toll und wichtig!!! Hätte ich ihn doch vorher entdeckt, dann wäre mir warscheinlich einiges erspart geblieben!!!

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  3. Danke für diesen wertvollen, wichtigen und überaus interessanten Beitrag!

    Antworten

    1. Ich danke Dir fürs Lesen. :)

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  4. Liebe Cindy,

    vielen Dank für diesen tollen und wahnsinnig mutigen Beitrag!!!

    Ich kann deine Geschichte komplett nachvollziehen und finde es gut, das du dir hast helfen lassen und auch das du dich schnell jemandem anvertraut und um Hilfe gebeten hast. Ich selbst bin seit 26 Jahren depressiv, mal läuft es besser, mal schlechter. Mal mit und mal ohne Medikamente und Therapie. Scheiße ist, wie du schon schreibst, das das Umfeld immer meint alles besser zu wissen und einen durch Ratschläge oft eher entmutigt als bestärkt.

    Klar, Medikamente sind nicht immer die ultimative Lösung, aber wenn es einem Monate lang schlecht geht und man das Haus schon nicht mehr verlassen kann, dann sind sie eine absolut legitime Lösung, damit einem zumindest etwas Druck und Last genommen wird und man irgendwie wieder ein Stück Normalität gewinnt. Zumal Therapieplätze ja jetzt auch nicht grad auf der Straße liegen. Wartezeiten ziehen sich teilweise bis zu über einem Jahr hin. Da muss man die Zeit einfach irgendwie überbrücken. Du hast die richtige Entscheidung getroffen und ich wünsche dir alles Gute für den weiteren Weg.

    Liebe Grüße Ina

    Antworten

    1. Liebe Ina,

      ich danke Dir fürs Lesen!

      Viele Leute tun so, als hätte ich mit der ersten Tablette eine Entscheidung fürs Leben getroffen*, aber das habe ich ja gar nicht vor. Irgendwann wird sicher der Zeitpunkt kommen, dass ich sie wieder absetzen kann, aber dafür brauche ich Unterstützung. Die Wartezeiten für Therapieplätze sind hier auch richtig schlimm und ohne SSRI sind hier Monate vergangen, in denen ich mich überhaupt nicht darum kümmern konnte. Mittlerweile hab ich zumindest einen ersten Termin, da habe ich in den 6 Wochen mit Medikament mehr geschafft als in einem ganzen Jahr davor.

      Alles Gute für dich! <3
      Cindy

      *das wurde teilweise härter kommentiert als meine Tattoos, die - nun ja - wirklich eine Entscheidung fürs Leben waren, aber hey, Antidepressiva sind pöhse!!1

      Antworten

  5. Danke für deinen Beitrag, ich nehme Antidepressiva seit ein paar Tagen und mir gehts viel schlechter als vorher, ein Freund der das schon durch hat,meinte zu mir das ist die ersten Tage ganz normal und es lässt mir aber keine Ruhe, dein Beitrag hat mir nochmal gezeigt dass es wirklich die ersten Tage so scheisse ist, ich werde durchhalten 👌🏼 Vielen Dank
    Ich wünsche euch allen nur das beste :)

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    1. Nina Bredemeier 8. Oktober 2020 bei 21:45

      Hallo Steffie, wie geht’s dir mittlerweile?

      Antworten

  6. Hallo,
    der Beitrag ist zwar schon eine Weile her, aber du sprichst mir aus der Seele. Ich nehme seit Februar SSRI und bin sooooo dankbar für alles was ich nun wieder erledigen, unternehmen und vor allem fühlen kann.
    Ich hoffe, dir geht es jetzt auch wieder besser.
    Lg

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  7. Ich bin seut ddr Pupertät depressiv gewesen. Das weiß ich erst jetzt. Ich dachte immer das sei meine Persönlichkeit. Meine Mutter ist gelernte Psychotherapeutin, geht diesem Beruf aber seit Ewigkeiten nicht mehr nach.
    Sie hält gar nichts von Psychopharmaka und denkt, dass mit Reden immer alles wieder gut macht.
    Ich wüsste auch gar nicht, was der Grund für meine Depression sein sollte, den man mit reden heilen könnte. Ich rede recht offen mit meiner Frau über meine Gefühle. Eigentlich sehr offen.
    Aber meine Hirnchemie hat seit der Pupertät nicht mehr gestimmt. Ich habe mit 12 damals schon am liebsten nur noch im Bett gelegen und die Decke angestarrt.
    Aber ich habe immer meinen Alltag bewältigt. Ich dachte das sei normal so. Die unbeschwerte Kindheit von der alle immer reden sei jetzt halt weg und das wie es war, sei der Normalzustand für mich. Ich sei halt so.
    Durch meine Mutter, die gegenüber jedem Medikament sehr skeptisch ist und Psychopharmaka für ganz böse hält, habe ich seit jeher Angst ein neues Medikament zu nehmen. Ich habe mich erst mit 26 zum ersten mal getraut eine Ibu zu nehmen als ich unglaubliche Schmerzen hatte und meine Frau mich dazu gedrängt hat. Soviel zur Vorgeschichte.

    Das zog sich so ohne Antrieb, mit vielen Versagensängsten, Sorgen, Kummer, Menschenscheuheit, gleichzeitig der unfähigkeit es mit mir alleine auszuhalten von meiner Pupertät an bis heute bzw. bis vor 4 Monaten alsbich anfing die SSRI zu nehmen, mit 29,5 Jahren. Ich war also fast 20 Jahre depressiv und kannte mich nicht anders. Dachte das sei meine Persönlichkeit.
    Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende. Ich hatte mich durch ein Studium gekämpft, durch Bachelor und Master, ich hatte sogar einen Freundeskreis dank meiner Frau aufgebaut und mit Disziplin erhalten. Ja ich traf mich nie gerne mit Freunden, ging nie gern Hobbies nach. Machte es wenn dann weil es sein musste und mit einem riesen Kampf mit mir selbst.
    Aber ich war von außen nicht untypisch für mein Alter. Daher dachte ich auch inmer ja so schlimm ist es ja nicht. Depressive kriegen ja gar nichts hin, die haben ja ein richtiges Krankheitsgefühl.
    Jedenfalls ging es mir Ende 2019 immer schlechter. Ich war seit 1,5 Jahren im Job. Jeden Tag spürte ich weniger Energie. Ich setzte meine Hoffnung auf den bald bevorstehenden Urlaub über Weihnachten. Einfach nur rumliegen zu können und auf das neue Jahr 2020. Ich bin eigentlich Weihnachtsfan, allein schon weils immer so gutes Essen gibt. Aber auch das Weihnachtsfest konnte mir nicht mal ein kleinstes bisschen Freude entlocken. Und so startete ich auch in 2020.ich rutsche immer tiefer ins Loch. Bei allem was ich tat war ich den Tränen nahe. Nach Weihnachten ging ich wieder jeden Tag zur Arbeit. Es fiel mir so schwer. Einfach alles. An jedem Tag war ich irgendwann an dem Punkt, dass ich vor mich hinsagte mit zitternder Stimme „ich kann nicht mehr“. Ich recherchierte über burn out, versuchte meinen Alltag zu entschleunigen, ging weniger ans Handy, zwang mich zu mehr Sport. Es machte alles nur noch schlimmer. Meine Frau überredete mich irgendwann dazu escitalopram zu nehmen. Ich war so am Ende, dass auch ich es wollte. Ich wollte damit irgendwann anfangen, wenn ich wieder Urlaub hatte, wegen den Nebenwirkungen. Irgendwann gings mir dann aber Anfang März so schlecht, dass ivh zu meiner Frau sagte „ich glaube ich muss es jetzt schon nehmen“. „ich fang damit am Wochenende an“. Meine frau stand auf und legte mir die Tablette auf den Tisch, teilte sie und sagte: „Nein du nimmst sie jetzt“ . Ich hatte keine Kraft mich zu wehren. Ich heulte und nahm due halbe Tablette. Nach ein paar Stunden wurde mir schon wattig im Kopf. Ich fühlte mich ein bisschen wie bekifft. Das Gefühl hielt die nächsten Tage an und brachte Erleichterung, denn alles Böse fühlte sich irgendwie weiter weg an. So als sei es zwar da, aber nicht direkt bei mir.
    Ich hatte wenig Nebenwirkungen. Etwas Magenschmerzen so die ersten Stunden nach der Einnahme, ich hatte unglaublichen Hunger und konnte mich nicht konzentrieren. Aber vorweg, das ließ mit der Zeit nach. Heute habe ich keine Nebenwirkungen mehr.
    Die ersten Tage der Einnahme vergingen. Ich begann so leicht morgens aufzustehen, ich begann Hobbies zu entwickeln. Ich machte selbst mit Kräutern aus dem Garten abends Kräuterbutter und kochte aus Kuvertüre, Milchpulver usw. eigene Kreationen an Schokobrotaufstrichen. Mal hell, mal dunkel, mal mit Kaffee oder viel Nuss. Oft tanzte ich vor Erleichterung und Freude im Raum, weil ich es nicht fassen konnte, dass es mir besser ging.
    Dann traten verwunderte Dinge ein. Seit der Pupertät hatte ich Psoriasis und Alopecia Areatay also Schuppenflechte und kreisrunden Haarausfall. Vor allem der Haarausfall wurde immer mehr und vor etwa einem Jahr kaufte ich mir extensions, um mehr Volumen zu haben, weil ich immer mehr Haare eingebüßt hatte. Ich stellte nach wenigen Wochen der Einnahme der SSRI fest, dass ich keine einzige kahle Stelle mehr hatte. Überall wuchsen neue Haare und es fielen keine mehr aus. Auch die Psoriasis war so gut wie weg. Ich und auch meine Frau haben regelmäßig meinen Kopf abgesucht, weil wir es nicht glauben konnten. Gestern nach 4 Monaten haben wir zum ersten mal nochmal eine kleine 1 cent große Kahle Stelle gefunden.

    Ich hatte Anfang des Jahres und die Jahre davor immer eher so 6-8 teils 2 Eurostück große. Also eine mega Verbesserung. Ich habe dann gegoogled und tatsächlich Studien gefunden, dass SSRI bei diesen Autoimmunkrankheiten zu einer Verbesserung führen.

    Heute sind 4 Moante rum seit ich begann SSRI zu nehmen. Ich blieb übrigens immer bei dieser halben Tablette. Also bei der Einstiegsdosis. Ich nehme übrigens 5mg Escitalopram.
    Aktuell bin ich mir nicht sicher, ob die Wirkung nicht etwas nachlässt. Das Bedürfnis zu tanzen vor Freude hatte ich die letzten 2 Wochen fast gar nicht. Die letzten Tage lag ich auch mehr rum. Nachher wollen wir in den Biergarten und irgendwie hab ich keine Lust raus zu gehen. Ich bin skeptisch ob das nicht wieder Depressive Symptome sind. Der Haushalt sollte gemacht werden und auch darauf hab ich grad keine Lust. Ob das normal ist oder es wieder anfängt?

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  8. Hi,
    auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist, bedanke ich mich für deinen hilfreichen Artikel.
    Schön das dir die Medikamente so geholfen haben.
    Ich hoffe dir geht es immer noch gut.

    Grüße
    Chris

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