Blogtour „Die Augen des Iriden“ — Interview mit Illustrator Timo Kümmel

Blogtour Die Augen des Iriden

Herzlich Willkommen zum dritten Tag der Blogtour zu Maja Loewes Die Augen des Iriden. Dieses Jugendbuch ist eine wunderbare Mischung aus rasantem Thriller und kreativer Urban Fantasy mit jungen und älteren Menschen als Protagonisten, die eine Verschwörungstheorie entdecken, die nicht nur unglaublich spannend und verzwickt ist, sondern auch sehr erschreckend. Ich habe das Buch damals an einem Wochenende durchgelesen, weil es mich nicht mehr losgelassen hat. Meine weiteren Gedanken dazu könnt ihr in meiner Rezension nachlesen. Alle weiteren wichtigen Links und Infos zur Blogtour folgen ganz unten.

Die heutige Blogtour-Station nimmt den Illustrator Timo Kümmel, der dieses einzigartige Cover gestaltet hat, unter die Lupe. Ich habe ihm ein paar Fragen zu seinem Arbeitsprozess und natürlich auch zu Die Augen des Iriden gestellt. Timo Kümmel ist freiberuflicher Illustrator und wurde für seine Werke schon mehrfach für diverse Preise nominiert (dieses Jahr wieder für den Deutschen Phantastik Preis) und auch ausgezeichnet (gerade vor ein paar Tagen zum zweiten Mal beim Kurd Laßwitz Preis). Vor ein paar Tagen ist zudem die 33. Ausgabe des Magazins EXODUS erschienen, in der seine Werke in der Galerie gezeigt werden.

Interview mit Illustrator Timo Kümmel

Cover Die Augen des Iriden

“Das strahlende Blau des Himmels streckte sich ihm einladend entgegen, und eine leichte Brise fuhr in sein Haar, kühlte für einen Augenblick seinen erhitzen Schädel. Der Wind legte sich salzig auf seine Zunge. Dort, mitten in dem feinen Meeressand, stand eine Tür. Da war keine Wand, kein Haus. Es war einfach nur eine Tür, durch deren geöffneten Spalt eine Wolke schwebte. Am Horizont hob und senkte sich das blaue Meer wie ein bewegter Spiegel.”
(aus: Maja Loewe — Die Augen des Iriden)

Cindy: Hallo Timo! Kannst du dich noch an dein erstes Cover erinnern? Wie bist du dazu gekommen es zu designen und wie war diese Erfahrung?

Timo: Ich habe vor gut 20 Jahren damit angefangen, Tusche-Illustrationen in Fanzines zu veröffentlichen. Das reichte von kleinen Heftchen mit einer verschwindend geringen Auflage, bis hin zu sehr engagierten Magazinen mit professionellem Anspruch und entsprechender Reichweite. Neben den Innen-Illustrationen durfte ich auch hier schon einige Cover bestreiten, wie etwa für die Magazine TUMOR und NOCTURNO.
Gut ein Jahrzehnt nach meinen ersten Gehversuchen kamen dann immer mehr Buchcover für diverse Kleinverlage hinzu. Mir schießt da kein spezielles Bild in den Sinn, das war eher eine fließende Entwicklung, aber ich habe mich über jede Veröffentlichung, jedes erreichte Ziel wie blöd gefreut.
Von da an habe ich mich Jahr für Jahr weiter gehangelt und die Zahl der Aufträge stieg. Erste Veröffentlichungen bei großen Publikumsverlagen und im Ausland kamen hinzu.
Ich liebe meinen Job, aber wie bei allen kreativen Tätigkeiten sollte man darauf achten, sie nicht zu idealisieren. Reich wird man damit nicht – im Gegenteil, mit viel Glück kann man gerade so davon leben und muss sich mit sehr wenig zufrieden geben. Außerdem gehören natürlich Ehrgeiz und Disziplin dazu. Ein dickes Fell sollte man sich auch zulegen … und auf keinen Fall seine Freude und die Begeisterung verlieren ;).


Und das Cover zu „Die Augen des Iriden“? Gibt es zur Entstehung etwas Interessantes zu erzählen?

Das Cover zu Majas Roman ist natürlich eine Hommage an René Magrittes Meisterwerk „Der Sieg“, das im Roman eine nicht unwesentliche Rolle spielt, so wie der Künstler selbst …
Es war mir wirklich eine außerordentliche Ehre, damit einem der Götter des Surrealismus huldigen zu dürfen.


Standest du während der Erstellung des Covers auch mit der Autorin, Maja Loewe, in Kontakt oder auch nur mit dem Verlag? Ist es überhaupt gängig sich zwischendurch abzusprechen?

In diesem Fall hatte ich damals nur mit Schemajah Schuppmann vom Papierverzierer Verlag das Cover abgesprochen, bzw. wird er als Knotenpunkt alles weiter an Maja kommuniziert haben.
Der direkte Kontakt zu Maja folgte erst danach.
Sich vorab und zwischendurch mit den Autoren abzusprechen, bzw. nach Wünschen und Vorstellungen zu fragen, ist für mich aber absolut üblich. Je besser und länger man sich kennt, desto intensiver fällt dieses Miteinander auch aus.
Gleichsam sind natürlich die Vorstellungen des Verlegers und marktstrategische Überlegungen immens wichtig. Manches Mal muss daher ein Kompromiss gefunden werden, aber in der Regel greift alles harmonisch Hand in Hand.


Dieses Cover passt unglaublich gut zum Inhalt der Geschichte. Es zeigt nicht nur Magrittes Kunstwerk, das in einer Schlüsselszene vorkommt, sondern auch weitere Schlüsselideen des Romans, wie beispielsweise die verschiedenfarbigen Augen. Sollte ein Cover deiner Meinung nach immer so gut zur Geschichte passen?

Ja und nein ;).
Auch wenn ich bei meiner eigenen Arbeit immer mein Möglichstes versuche, der Geschichte gerecht zu werden, habe ich grundsätzlich gar nichts dagegen, wenn Buchcover eher nur eine Stimmung vermitteln und kaum illustrative Momente aufgreifen. Vermutlich weil mir selbst die Atmosphäre auch weit wichtiger ist, als Schlüsselszenen darzustellen, die schon zu viel über die Handlung verraten, oder auch mit den Vorstellungen der Leser kollidieren könnten.
Aber selbst wenn ein Cover inhaltlich wenig hergibt, muss es natürlich trotzdem zum Buch passen und sollte nicht völlig beliebig sein.
Und absurd sind natürlich Titelgestaltungen, die rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Welchen Sinn hat eine blutige Rasierklinge auf dem Cover, wenn es um einen Serienkiller geht, der seine Opfer stranguliert, um mal ein selten dämliches Beispiel zu nehmen ;)?


In „Die Augen des Iriden“ kann der Protagonist Henry in Bilder eintauchen und sich in ihnen bewegen. Beneidest du ihn um diese Fähigkeit?

Mhm … ich denke, im Sinne der Vorstellungskraft und Träumerei haben wir alle diese Fähigkeit, mal mehr, mal weniger weit entwickelt. Aber würden wir, und würde ich wirklich auf einer Realitätsebene in Bilder eintauchen wollen? Die Realität hat die Konsequenz und Verantwortung mit im Schlepptau. Es wäre keine fiktive Traumreise mehr, die nur eine nebelhafte Erinnerung hinterlässt, aus der ich evtl. eine Lehre ziehen kann, sondern mehr eine Art von Ortswechsel auf eine andere Realitätsebene, wo all meine Handlungen Konsequenzen haben. Positive und negative. Der Ernst des Lebens versus die Leichtigkeit der Imagination. Keine Realitätsflucht, sondern eher eine Erweiterung des Erlebnishorizonts … Ich bin nicht selten schon mit meinem Hier und Jetzt überfordert, da verlangt es mich eher weniger nach noch mehr Nebenschauplätzen ;).


Würdest du gern mal in eine deiner eigenen Illustrationen springen und dich hinter den Kulissen umschauen? Welche wäre es?

Ein interessanter Gedanke. Vor allen Dingen auch, ob mich dann überraschen würde, was da so hinter den Ecken kreucht und fleucht, oder ich mir ständig nur denken würde: „Hey, das kommt mir bekannt vor! Klar, ist ja auch meinem wirren Oberstübchen entsprungen, ob nun offensiv sichtbar oder zwischen den Zeilen …“
Ich würde und müsste hier zwischen Illustrationen und freien Arbeiten unterscheiden, denn wie es der Begriff schon definiert, sind meine Cover-Illustrationen in der Regel Visualisierungen der Gedanken anderer. Natürlich kann meine Sicht nur subjektiv sein, aber die Saat wurde durch die Autoren eingepflanzt.
Ganz aktuell würde ich also mein freies Cover des Magazins EXODUS wählen, in dessen 33ster Ausgabe ich die Galerie bestreiten darf. Ich habe ein großes Faible für stille, aber dennoch majestätische Szenen – mystische Spannungsmomente, bevor es zu einer Art universell spirituellen Offenbarung und Sinngebung kommt. In die Atmosphäre meines Covers namens „Sphärentänzer“ würde ich wirklich gerne eintauchen und mir als der ganz klein erkennbare Betrachter die kosmischen Strömungen durch die Gedanken wabern lassen …

KUEMT-D1051

Sphärentänzer © Timo Kümmel


Ohne zu viel vom Inhalt der Geschichte zu verraten — wie gruselig fandest du die Verschwörungstheorien?

Ich versuche immer, nach Möglichkeiten jedweden paranoiden Ansatz in meiner Denke zu vermeiden, weil es einfach erschreckend ist, wie viel im Hintergrund tatsächlich manipuliert und intrigiert wird. Jenseits jeder Menschlichkeit, jeden Wir-Gefühls und weitsichtiger Nachhaltigkeit werden wegen Macht und Geld Entscheidungen über Leben und Tod mit Auswirkungen über Jahrzehnte, Generationen und darüber hinaus getroffen.
Mir ist völlig unbegreiflich wie wenig Mensch man sein kann, um sich bewusst dafür zu entscheiden, anderen wirklich ernsthaft zu schaden.
Aus Unwissenheit und Blauäugigkeit macht jeder Fehler, oder auch weil kein anderer Ausweg in Sicht ist, aber offensive, bewusste Aggression und Manipulation, nur um des eigenen Vorteils willen, obwohl keine Lebensnotwendigkeit dazu besteht, ist eine ganz andere Geschichte …

In diesem Sinne waren die Verschwörungstheorien in DIE AUGEN DES IRIDEN mehr als erschreckend, weil sie verdammt nah an der Realität sind, bzw. den Ist-Stand nur weiter ausschmücken.
Überwachung, Daten-Spionage, Daten-Kraken, bewusste und bösartig subtile Werbe-Manipulation, systematische Fehlinformation der ganzen Bevölkerung sind keine Stichwörter für eine düstere Zukunfts-Utopie sondern leider schlichtweg unser Alltag. Und im digitalen Informations- und Kommunikationszeitalter sind Bilder und visuelle Medien der große Pfeiler all dieser Machenschaften …


Mir läuft es gerade wieder kalt den Rücken runter. Ich war beim Lesen auch ständig geschockt von dem, was bestimmte Menschen allen anderen antun und welche Macht durch Bilder ausgeübt wird. „Zum Glück ist das nur eine Geschichte“, dachte ich ständig und kurz darauf wurde mir klar, dass es das alles im Grunde schon gibt. Gruselig. Die Verschwörungstheorien sind nur ein Aspekt, der dieses Buch zu einem richtig spannenden macht.
Warum und wem würdest du denn „Die Augen des Iriden“ weiterempfehlen? Bestimmten Personen? Einer speziellen Zielgruppe? Einfach jedem?

Da ich selbst ja ein munterer Genre-Hopper bin und mich nicht nur an allen Spielarten der Phantastik, sondern auch der allgemeinen Belletristik erfreue, will ich da gar nicht in Kategorien oder eingrenzenden Zielgruppen denken.
DIE AUGEN DES IRIDEN sei einfach jedem empfohlen, dessen Interesse durch den Klappentext oder vielleicht auch eine Leseprobe entfacht wird.
Mich hatte Maja sofort mit ihrem spannenden und vielschichtigen Roman gepackt, und ich darf mich für wunderbar stimmungsvolle Schmöker-Stunden bedanken :)!

Herzlichen Dank, Timo, für dieses tolle Interview!


Zu guter Letzt: Was wäre eine Blogtour ohne all die anderen tollen und kreativen Beiträge oder ohne ein Gewinnspiel? Alle Infos und Links folgen hier:

Tag 1, 14.09. bei Pias BücherpapadiesBuchvorstellung
Tag 2, 15.09. bei LovelyliciousmeInterview mit Autorin Maja Loewe
Tag 3, 16.09. bei Piranhapudel → Interview mit Illustrator Timo Kümmel
Tag 4, 17.09. bei Zebrabutter → Die Droge „Eve’s Kiss“. Ein Prosa-Remix
Tag 5, 18.09. bei Janas Dunkle Geschichten → Vom Manuskript zum Buch: Die Lektorin spricht

Das Gewinnspiel findet direkt auf Majas Facebook-Seite statt und verspricht unglaublich interessante Gewinne. Zum Gewinnspiel »»

Blogtour Die Augen des Iriden Gewinnspiel

Ein Kommentar

Kommentar verfassen