Brandstifter von Martin Krist

Cover Brandstifter

Thriller gehörten bisher nicht unbedingt zu den Büchern, nach denen ich in meinen Leseleben oft griff. Wenn ich es tat, dann meist an einem Lesewochenende, an dem ich mich voll in die spannende Geschichte stürzen und das Buch an einem Stück verschlingen konnte. In den letzten Monaten hatte ich zu selten Zeit dafür und auch, als ich anfing Brandstifter zu lesen, war das so; obwohl es bei diesem Buch perfekt gepasst hätte, es in einem Rutsch durchzulesen. Dennoch war es natürlich eine interessante Lektüre, die ihre Spannung auch über mehrere Lektüreetappen halten konnte.

Der etwas reißerische Aufmacher im Klappentext („Sie haben deinen Ehemann brutal ermordet – jetzt bedrohen sie deine Kinder!“) beschreibt nur einen Teil der Geschichte, die Martin Krist in diesem Buch erzählt. Valentina findet eines Morgens die brutal zugerichtete Leiche ihres Mannes. Sie flieht mit ihren beiden Kindern zunächst zu ihrer besten Freundin und muss sich recht rabiaten Ermittlungen unterziehen. In abwechselnden Kapiteln tauchen Leser*innen allerdings auch noch in zwei weitere Alltäge ein: Der Privatermittler David bekommt den Auftrag einen nach einer Tagung verschwundenen Mann wiederzufinden und einen Brandanschlag zu lösen, hat jedoch gleichzeitig mit einem Vorfall aus seiner Vergangenheit zu kämpfen; im dritten Handlungsstrang folgen wir außerdem Luka, der sein sowieso schon knappes Budget in seiner Stammkneipe lässt und sein Selbstmitleid und schlechtes Gewissen gegenüber seiner Frau und seinen Kindern wegtrinkt.

Diese drei verschiedenen, sich mit den Kapiteln immer abwechselnden Perspektiven sind ein weiterer Grund dafür, dass das Buch noch spannender gewesen wäre, hätte ich es in einem Stück durchlesen können. Natürlich sind die Geschichten miteinander verwoben und Martin Krist streut an vielen Stellen Hinweise ein, die Verbindungen zwischen ihnen schaffen. Dafür braucht man nicht nur ein gutes Gedächtnis, sondern auch ganz viel Aufmerksamkeit. Brandstifter ist ein Buch, das deine ganze Aufmerksamkeit beanspruchen will, es ist geschickt und vielschichtig. Das betrifft nicht allein die behandelten Fälle, sondern auch die Figuren und ihre Handlungsweisen, die natürlich durch ihre ganz eigenen Sorgen bestimmt sind und somit greifbar werden.

Dies ist insgesamt nicht der erste Fall für den Privatermittler David und auch andere Personen kamen bereits in früheren Romanen von Martin Krist vor. Brandstifter funktioniert allerdings auch unabhängig von den anderen Büchern, ich jedenfalls habe nichts vermisst und nun sogar Lust weiteres aus der Welt dieser Charaktere zu lesen. David Gross spielt zum Beispiel auch in den beiden Thrillern Drecksspiel und Engelsgleich eine Rolle.

Brandstifter ist ein Thriller, der von seinen rasenden Kapitel- und Perpektivwechseln inklusive vieler Cliffhanger lebt. Mitunter empfand ich dies als eher erschöpfend – Muss ich mir ständig um alle gleichzeitig Sorgen machen? Wartete da nicht am Ende des vorletzten Kapitels auch schon irgendein .. naja, potenziell lebensgefährdender Pieps um die Ecke? –, insgesamt entsteht daraus natürlich eine rasante Dynamik, die sich bei der Auflösung der Geschichte sogar noch viel schneller anfühlte. In anderen Besprechungen habe ich oft gelesen, dass das Ende zu abrupt kam, und dieses Gefühl kann ich nachvollziehen. Ich war auch erst mal baff. Moment, Moment, Moooooooment –mein Hirn kam gar nicht mehr mit, da gab es plötzlich keine Seiten zum Weiterblättern mehr. Der Fall war gelöst, aber so viele Einzelschicksale hingen noch an den seidensten Fäden. Das schreit doch nach einer Fortsetzung, oder Martin? (Bitte bitte?)


Weitere Besprechungen:

  • „Es war toll zu lesen, wie sich am Ende alles zusammenfügt und mit sich jede Menge Aha-Erlebnisse bringt.“ –Janine bei Kapri-zioes
  • „Die Charaktere, allen voran David Gross, haben eine wunderbare Tiefe, sind realitätsnah und menschlich.“ –Denise von Tapsis Buchblog
  • „Trotzdem wirkt das Buch auf mich unvollendet, mit der Frage: „Das war’s?“ Da sind einfach noch zu viele lose Enden, was natürlich nach einer Fortsetzung schreit.“ –Claudia von Blätterflüstern

Martin Krist: Brandstifter. Edel Elements. 2017. 473 Seiten, 6,99€.


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an Martin Krist.

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