Unruh: Das Ticken des Uhrwerks von Mia Faber

Unruh: Das Ticken des Uhrwerks ist ein Buch, das mich mit seiner einzigartigen Atmosphäre 600 Seiten lang komplett mitgezogen hat. In einer Welt, in der vor ungefähr 160 Jahren etwas passiert ist, an das sich niemand mehr erinnern kann, begleiten wir die junge Saya zu einem Ereignis, das alle sieben Jahre stattfindet: Die Meisterhüter treffen sich an einem Wegstein, um dort drin Wissen aus dem Davor zu sammeln und den Menschen bringen zu können. Saya ist mit einem Mal auf der Stirn in Form eines Zahnrades geboren und wurde nun von ihren Eltern zum großen Treffen geschickt, um ihren Lehrer zu treffen. Das Mal verleiht nicht nur magische Fähigkeiten, die geübt werden müssen, sondern lässt die Träger*innen auch das Ticken des Uhrwerks hören, das alles zu bestimmen scheint. Hüter, so werden die Menschen mit dem Mal genannt, sind in großen Teilen der Welt hoch angesehen, doch in einigen Gebieten hat sich der Aberglaube gefestigt, dass Kinder mit dem Mal einen Fluch mitbringen. Als Saya, die arm, aber behütet aufgewachsen ist, sich auf den Weg macht, um ihren Lehrer zum ersten Mal zu treffen, ahnt sie noch gar nichts von der Welt außerhalb ihres Dorfes — und muss schließlich härter als gedacht an ihren Fähigkeiten arbeiten.

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Eine Prinzessin und Weihnachten: Die Illustrationen von Lydia Rode

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Roman von Walter Moers erinnern: Es war „Rumo & die Wunder im Dunkeln“ und ich habe ihn auf einer nächtlichen Busfahrt nach London gelesen. Ich war sofort fasziniert von der Geschichte, der Kreativität, den Wortwitzen und vor allem den Zeichnungen darin. Ich wünschte, ich könnte spontan in die kleine Stadtbücherei fahren und mir diesen dicken Klopper, der eigentlich überhaupt nicht für eine Reise geeignet war, noch mal ausleihen. Seitdem verfolge ich die Zamonien-Geschichten mit großer Begeisterung, warte wie viele andere darauf, dass (ob?) „Das Schloss der träumenden Bücher“ endlich erscheint, freue mich aber auch über jedes Buch, das bis dahin erscheint. Walter Moers hat in der Zwischenzeit nämlich Unterstützung bekommen: Lydia Rode illustrierte bisher einen Roman und eine Weihnachtsnovelle und gab den Büchern, die zwar immer noch ganz im Moers-Stil daherkommen, eine neue, verträumte Atmosphäre.

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Keine Helden — Piraten des Mahlstroms von Nils Krebber

Keine Helden – Piraten des Mahlstroms hat den mit Abstand verwirrendsten Buchtitel des Jahres. Wenn Eberhart, Aurelia und die restliche Truppe keine Helden sein sollen, wer denn dann? Nun gut, der Leitsatz in dieser Geschichte ist „Was soll schon schief gehen?“ und die einzige mögliche Antwort darauf ist zu jeder Zeit: „Alles“. Aber nur, weil der Plan schief läuft, muss das nicht heißen, dass die Helden ihr Ziel nicht auf einem anderen Weg erreichen können. Seht ihr, Logik ausgetrickst, die sind alle Helden.

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Phantastik von Schwarzen Autorinnen: zwei Empfehlungen

Seit vielen Jahren lese ich fast täglich und der überwiegende Anteil meines Lesejahrs besteht aus Phantastik-Titeln. Ich habe nicht schon immer darauf geachtet, wer die Bücher geschrieben hat, die ich gern lese. Zwischendurch sind einige Autor*innen heraus gestochen und dann habe ich gezielt deren Werke gekauft, wie man das eben mit Lieblingsautor*innen so macht. Ansonsten habe ich Klappentexte gelesen oder mir etwas empfehlen lassen. Und so kam es, dass mein Bücherregal irgendwann aussah wie viele andere auch: Bücher von weißen, männlichen Autoren reihten sich aneinander. Das zu bemerken, hat etwas gedauert, aber vor ein paar Jahren kam die Eingebung: Cindy, achte doch mal mehr drauf, von wem du liest! Also fing ich an, meine Regale diverser zu gestalten: mehr Autorinnen, mehr queere Autor*innen, mehr Autor*innen of Color, mehr Schwarze Autor*innen. Seitdem ich gezielt darauf achte, habe ich einige wirklich tolle Romane gelesen und ich möchte euch heute zwei Werke aus der Phantastik vorstellen, die von Schwarzen Frauen geschrieben wurden. Children of Blood and Bone: Goldener Zorn von Tomi Adeyemi reiht sich in die Fantasy ein, Zerrissene Erde von N.K. Jemisin ist ein Science Fiction und Endzeit-Roman. Es freut mich, dass deutschsprachige Verlage immer mehr diverse Bücher verlegen und vieles davon auch übersetzen lassen, sodass Leser*innen hier die Chance bekommen, diese Werke zu lesen und andere Sichtweisen kennenzulernen.

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Queens of Geek von Jen Wilde

Durch meine letzten Lesemonate zieht sich ein sehr schönes Muster. Ich lese vermehrt Geschichten mit queeren Figuren, häufig von own voices-Autor*innen (also solchen, die selbst auch queer sind), und bin bei der Lektüre immer sehr begeistert. Auch bei Queens of Geek war es so. Im Buch werden nur ein paar wenige Tage erzählt und die Handlung selbst gibt nicht rasend viel her, das wird durch die Charaktere allerdings auf jeder einzelnen Seite wieder gutgemacht.

„Drei Freund*innen, zwei Liebesgeschichten, eine Convention“, so wird die Geschichte auf dem Cover angepriesen. Charlie, Taylor und Jamie kommen aus Australien und besuchen gemeinsam die SupaCon in den USA. Erzählt werden die Erlebnisse immer abwechselnd aus der Sichtweise von Charlie und von Taylor. Beide Mädchen sind beste Freundinnen und dabei so, so unterschiedlich. Ich mochte die Dynamik sehr, die dadurch in das Buch gebracht wurde. Die Geschichte selbst fokussiert sich nämlich tatsächlich nur auf diese drei Tage auf der Convention und bietet dadurch gar nicht so viel Abwechslung. Dafür ganz viel Fangirling-Feeling, geek-ige Querverweise auf verschiedene Fandoms, Tumblr und Cosplay, Queerness und frische Verliebtheit.

Cover Queens of Geek

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