Dark Wood von Thomas Finn

Cover Dark Wood

Es gibt sie, diese Autor*innen, die mich in der Vergangenheit mit ihren Büchern so begeistern konnten, dass ich jedes (neue) Buch von ihnen lesen würde. Tom Finn gehört zu ihnen, und das war zunächst der Grund, warum ich ein Buch, auf dessen Cover der Bergiff „Horrorthriller“ steht, lesen wollte. Als Angsthase. Ganz furchtbarer Angsthase. In Dark Wood gab es natürlich auch einige Momente, in denen ich dachte: Okay, es wäre viel cooler, wenn es jetzt hier nicht so dunkel und leise wäre. Allerdings auch viele humorvolle und skurrile Situationen, die die Gruselstimmung aufgelockert haben. Es war gut, dass ich mich getraut habe, trotz Horror.

Dark Wood ist der Ort, an dem diese Geschichte zu einem großen Teil spielt. Die Mitarbeiter*innen einer Hamburger Werbeagentur machen bei der TV-Show „Survive! Kämpft um euer Leben!“ mit, damit sie die Chance haben ihre Firma aus der drohenden Insolvenz zu ziehen. Die Show entführt die Teilnehmer*innen an immer andere Orte, an denen sie verschiedene Aufgaben und Parcours erledigen müssen, um am Ende an das Preisgeld zu kommen. Sie haben sich vorgenommen, dies so gut wie möglich im Team zu erledigen, denn dafür sind sie doch schließlich da, oder? Um der Firma zu helfen. Doch natürlich ist das viel einfacher gesagt als getan, dazu ist die Gruppe viel zu heterogen und hat jeweils zu viele ganz eigene Ziele.

Thomas Finn spielt in diesem Buch ganz toll und unterhaltsam mit Rollen und Klischees. Das fängt schon bei der Gruppe der Kolleg*innen an. Jede*r von ihnen scheint einem bestimmten Klischee zu entsprechen. Der IT-ler ist übergewichtig und ein Nerd, es gibt ein graues Mäuschen und eine sehr hübsche, aber unnahbar und zickig wirkende Frau. Es gibt einen Frauenheld und einen narzisstischen Kerl, dem nichts wichtiger ist als seine Wirkung nach außen. Doch die Charaktere sind selbstverständlich mehr als nur ihre Klischees. Jede*r hat so seine oder ihre Gründe, warum sie oder er den zusätzlichen, persönlichen Gewinn mit nach Hause nehmen möchte und diesen den anderen nicht gönnt. Ein harmonisches Durchmarschieren scheint also plötzlich nicht mehr ganz so einfach zu sein.

Die TV-Show ist eine Ansammlung von Situationen und Schikanen, die ziemlich widerlich sind und das Publikum durch Skandale unterhalten soll. Sobald die Teilnehmer*innen im Wald ankommen, ist allerdings schnell überhaupt nicht mehr klar, was noch zur Show gehört und was nicht. Dieser Wald ist nämlich ganz schön unheimlich. Gibt es wirklich Kreaturen, die dort ihr Unwesen treiben? Die Gruppe hat gar keine andere Wahl, als genau das herauszufinden. Dieses Setting macht Dark Wood zu einem Roman, der humorvolle und gruselige Momente miteinander vereint. Ich persönlich habe ihn lieber im Hellen gelesen, so konnte ich nämlich herzlich lachen und musste mich nicht ständig zitternd unter der Bettdecke verstecken. Auch im Hellen gab es schon genug Grusel, Ekel und ganz viel Gänsehaut und Spannung.


Thomas Finn: Dark Wood. Knaur. 2016. 464 Seiten, 9,99€ (Taschenbuch).

Ein Kommentar

  • Ich hab grad eine Horror-Phase – muss wohl daran liegen, dass sich Halloween nähert :D
    Auf jeden Fall klingt das Buch so, als ob es mir gefallen würde und wandert deshalb auf die Wunschliste. Danke fürs Vorstellen!

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