Der Stern von Erui: Heimkehr von Sylvia Rieß

Cover Der Stern von Erui: Heimkehr

Ich freue mich immer darüber neue Selfpublisher und neue Fantasywelten zu entdecken. Mit Der Stern von Erui: Heimkehr habe ich einen richtig guten Treffer gehabt. Die Kurzbeschreibung zu diesem Fantasy-Roman verspricht eine Welt, in der Träume wahr werden. Erui spiegelt genau das wider, was sich der Erschaffer dieser Welt erträumt hat und was sich daraufhin die Bewohner weiterhin wünschen. Doch wo viele Geschöpfe hausen, sind natürlich auch böse Wünsche nicht weit, und drohende Schatten wollen die Welt verschlingen und zu ihren Zwecken formen.

Ja, diese Welt der Träume hatten sie wohl gefunden, doch schien Fenia nie bedacht zu haben, dass es neben all den schönen, hoffnungsvollen und guten Träumen auch die Träume gab, die aus den dunklen Teilen der Seele erwuchsen. Träume die einen erzittern ließen, wenn man nur im Schlaf von ihnen heimgesucht wurde. Träume, die einem aber die Luft abschnürten, wenn man ihnen persönlich begegnete.

Der erste Band dieser Trilogie beginnt allerdings in der uns bekannten Welt. Dort lernen wir Fenia kennen, eine ruhige und eher unscheinbare junge Frau, die gerade erst wieder ins Elternhaus zurückgekehrt ist. Grauenhafte Erlebnisse scheinen hinter ihr zu liegen, davon zeugen zumindest die Male an ihren Handgelenken. Sie sagt zwar, dass sie sich an nichts erinnern könne, aber offenbar wurde sie vor vier Jahren entführt. Eigentlich wurde sie schon längst für tot erklärt, doch eines Tages taucht sie plötzlich an einem abgelegenen Teich wieder auf. Ihre Eltern sind natürlich überglücklich und auch ihre Freunde versuchen die nun noch mehr ins sich zurückgezogene Fenia wieder an das normale Leben zu gewöhnen.

Dieses Buch ist in vier große Abschnitte unterteilt, die sich inhaltlich und auch ein wenig stilistisch unterscheiden. Während man im ersten Abschnitt noch Fenia begleitet, wie sie versucht sich wieder in den Alltag einzugliedern, lernt man im zweiten Abschnitt endlich die Welt von Erui kennen. Die Autorin weicht hier von der Sichtweise Fenias ab und zeigt stattdessen viele Eckchen von Erui, indem sie verschiedene Gruppen durchs Land ziehen und die unterschiedlichsten Völker kennenlernen lässt. Dieser Wechsel in der Perspektive mag beim Lesen vielleicht überraschend kommen, doch gewöhnte ich mich schnell daran. Zudem ist es für die Einführung in die neue Welt ein interessanter und spannender Schachzug, sodass ich dann selbst auch richtig nach Erui reisen konnte.

„Der Schleier, so nennen wir das, was ihr Nebel heißt, trennt seit Anbeginn der beiden Welten, Gar’Erui von der euren Welt, Gar’Elahad. Vor langer, langer Zeit waren die Schleier einmal dünner und weise Männer und Frauen, mächtige Schamanen und Priester aller Völker auf beiden Seiten konnten ihn durchqueren und beide Welten bereisen. Ganz früher, so heißt es, war diese Fähigkeit sogar jedem Wesen in Erui gegeben. Doch die Zeiten haben sich gewandelt und der Schleier schloss sich. Die Menschen haben aufgehört zu träumen.“

Die restlichen Abschnitte beleuchten dann die Wahrheit um Fenias Vergangenheit, auf die ich hier natürlich nicht genauer eingehen möchte. Wichtig ist hier nur, dass Erui wirklich eine phantastische und vielschichtige neue Welt ist, die mit bekannten und auch außergewöhnlichen phantastischen Elementen aufwartet. So gibt es zum Beispiel Elfen, einen Gott und viele Priesterinnen sowie eine Prophezeiung, die allen Bewohnern seit langem Hoffnung gibt. Dazu kommt eine unglaublich interessante Entstehungsgeschichte dieser Welt, unerwartete Wendungen, eine spannende Verknüpfung mit der uns bekannten Welt sowie verschwurbelte Zeitebenen. Gerade letztere haben für mich den Spannungsbogen ordentlich angehoben. Mein Kopf braucht generell immer ziemlich lange, bis er solch verschobene Zeiten auseinander puzzeln kann. Sylvia Rieß hat mich damit erfolgreich an der Nase herumgeführt.

Fenia spürte es sofort, als sie die Lichtung betrat. Es lag wie ein böser, dunkler Schleier über dem vormals so idyllischen Ort. Die friedlichen Bäume waren abweisend, in sich gekehrt, als fürchteten sie, was hier gewesen war, würde wiederkommen. Der Boden, der sonst weich und locker unter ihren Schritten federte, wirkte hart wie Granit, […].

Fenia ist ein Charakter, der sich während dieses ersten Buches schon sehr wandelt und entwickelt. Während sie zu Beginn der Geschichte in unseren Gefilden noch recht blass und schwach daherkam, lernen wir sie später als starke und durchsetzungsfähige junge Frau kennen, vielmehr wird sie zwischendurch zum Wunderkind, das schon fast die Züge einer Mary Sue annimmt. Glücklicherweise fehlt da die für mich nervigste Eigenschaft: Fenia jammert nicht herum, wie hässlich und unscheinbar sie sei, und wieso denn trotzdem alle in Ohnmacht fallen, wenn sie sie sehen. Tja, Fenia ist da wirklich bodenständiger. Zudem macht sie eine Wandlung durch, die von Herzen kommt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt erkennt und akzeptiert sie sich selbst und kann ab da erst richtig leben. Von daher war ihr Dasein als Wunderkind schon begründet, obwohl es mir beim Lesen doch auch einseitig erschien. Die Autorin, die unsere Leserunde auf Goodreads begleitet hat, versprach mir allerdings, dass Fenia im Laufe der Reihe noch ordentlich Probleme bekommen wird, und darauf freue ich mich! So herzlos das auch klingen mag, machen Schwierigkeiten und unvorhergesehene Hindernisse einen (Fantasy-)Roman erst richtig spannend.

Mit Heimkehr hat Sylvia Rieß einen vielschichtigen und spannenden Auftakt geliefert. Die Welt Erui bietet bekannte und neue phantastische Elemente, interessante Völker und erwacht beim Lesen vor dem inneren Auge zum Leben. Auch die Charaktere und die Handlung sind spannend und komplex aufbereitet, wobei ich mir besonders bei der Protagonistin Fenia für die nächsten Bände weitere Charaktertiefe wünschen würde.


Reiheninformation:

Der Stern von Erui
#1: Heimkehr
#2: Schattenkriege
#3: Sternenstaub (noch nicht erschienen)

Viele Extras und weitere Informationen zur Reihe gibt es auf der Webseite: der-stern-von-erui.de


Über die Autorin:

Sylvia Rieß wurde 1985 in einer Kleinstadt im Lahntal geboren und wuchs im ländlich geprägten Mittelhessen auf.
Mit dem Schreiben von Geschichten hat sie schon früh begonnen, für sich selbst allerdings beschlossen, davon nicht ihren Lebensunterhalt abhängig zu machen. Als vielseitiger interessiertes Kind war es immer ihr Traum Tierärztin zu werden und eben nebenher zu schreiben, damit das, was einmal veröffentlicht werden würde, ganz ohne Druck entstehen konnte.
Diesen Traum hat sie sich bewahrt und begann nach dem Abitur und einem Sabbatjahr in Neuseeland das Studium der Veterinärmedizin in München, welches sie in Gießen im Jahr 2012 abschloss.
Der Zufall verschlug sie dann wieder zurück in die Heimat, wo sie heute mit ihrem Mann, ihren zwei Katzen und ihren Pferden lebt. Sie arbeitet in einer Gemischtpraxis auf dem Land und, wie könnte es anders sein, schreibt in ihrer Freizeit immer noch.
Mit der Veröffentlichung ihres Erstlings, der gleichzeitig der Einstieg in eine epische Fantasy-Reihe ist, erfüllte sie sich schließlich den Traum Tierarzt und Schriftstellerin zu sein. Auch wenn das Schreiben damit zu mehr als einem Hobby geworden ist, und sie beides manchmal ziemlich fordert, könnte sie es sich nicht anders vorstellen. […] (Quelle: Amazon)


Sylvia Rieß: Der Stern von Erui: Heimkehr. Selbstverlag. 2015. 564 Seiten, 2,99€ (Ebook).


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Ebooks an die Autorin Sylvia Rieß. Dieses Buch habe ich im Rahmen einer autorenbegleiteten Leserunde auf Goodreads gelesen.

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