Ein Jahr in Neuseeland von Anja Schönborn

Cover Ein Jahr in NeuseelandEin Jahr in Neuseeland ist mein zweites Buch aus der „Ein Jahr in…“-Reihe und es hat mir wirklich gut gefallen. Genau so wie es sein soll, bekommt man beim Lesen richtig Lust, das alles auch mal in echt zu erleben. Dabei muss ich zugeben, dass das bei Neuseeland auch wirklich nicht schwierig ist, denn fast jeder kennt die Landschaften doch mindestens seit den Herr der Ringe-Filmen. Doch ich war natürlich nicht nur an endlosen grünen Weiten interessiert, sondern auch an der Atmosphäre im Land und an der Einstellung der Menschen dort. Die tolle Landschaft und die relaxte Art der Einwohner waren es auch, die die Autorin dazu bewogen hat mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Zwillingen dorthin zu ziehen.

Ein Vorteil an diesem Bericht aus dem Alltag ist auf jeden Fall, dass die Familie während dieses einen Jahres an mehreren Orten gelebt hat: in Wellington, der Hauptstadt, und in Auckland, in zwei ganz unterschiedlichen Städten also. So kann Anja Schönborn sowieso schon von ganz unterschiedlichen Eindrücken berichten. Wellington ist eher ein kleines Städtchen und ich hatte beim Lesen immer den Eindruck, als wäre es eher ein Dorf. Auckland dagegen war riesig und die Impressionen dabei nicht immer positiv. Ich finde es sowieso viel interessanter, wenn nicht ständig alles perfekt ist.

Fasziniert lasse ich mich auf einem Felsen nieder. Ich entdecke immer mehr Tiere, sie sind wirklich unglaublich gut getarnt — und faul. Nur selten bewegt sich eine Robbe ins Wasser oder klettert zurück an Land. Genüsslich duschen sie in den Dunstwolken der Gischt und lassen Wasser von ihrem dichten Fell abperlen.

Auch die Menschen in Neuseeland und die Kultur der Maori werden hier ganz ausführlich beschrieben. Andauernd treffen sie an ihrem Wohnort oder auf ihren vielen Reisen durchs Land auf neue Leute, die ganz typisch für Neuseeländer immer freundlich, offen und relaxed sind — und sofort die neuen besten Freunde, die den Ausländern die Besonderheiten des Landes zeigen wollen. So gehen sie auf Whale Watch, beobachten Pinguine oder versuchen sich für eine der verrückten Extremsportarten zu entscheiden.

„Warum bleibt ihr nicht in unserem Appartement?“, schlägt Laura spontan vor. „Wir wohnen ganz nahe am Zentrum und sind die nächsten zwei Wochen out and about, unterwegs.“ Wir zögern. Wirklich ernst können die beiden das Angebot doch nicht gemeint haben, schließlich kennen sie uns doch erst seit zwei Stunden. „Honestly. We wouldn’t say it if we didn’t mean it!„, bekräftigt Steve den Vorschlag seiner Frau.

Insgesamt ist diese Reise in den Alltag schön vielseitig und interessant. Ein Wermutstropfen waren leider die Dialoge, die häufig total gestellt und konstruiert wirkten und deshalb auf Dauer nicht mehr so gut zu lesen waren. Das lag zu einem großen Teil daran, dass in der direkten Rede selbst viele Begriffe und Abkürzungen verwendet und dort direkt auch erklärt wurden — so redet einfach niemand und deshalb hat es meinen Lesefluss leider meist gestört.

„Unternimmt das Departement of Conservation (DOC), die Regierungsbehörde für Natur- und Umweltschutz, denn nichts gegen die Possums, wenn sie doch so schädlich sind?“, fragt Gunnar, als wir das nächste tote Tier hinter uns lassen.

Ein Jahr in Neuseeland ist eine wirklich schöne Reise in den Alltag, die einen Einblick in das Leben der Neuseeländer gibt und die Landschaften zum Greifen nah beschreibt.

Milford Sound in New Zealand

© Loïc Lagarde @ Flickr


Dieses Buch habe ich gelesen, während…

  • es zum ersten Mal im Jahr richtig schön warm war
  • und ich endlich mal gemütlich draußen sitzen konnte.

Über die Autorin:

Anja Schönborn ist Print- und TV-Journalistin. 2006 wanderte sie mit ihrem Mann und ihrem damals einjährigen Zwillingstöchtern nach Neuseeland aus. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in ihrer Wahlheimat Wellington. (Quelle: Herder Verlag)


Anja Schönborn: Ein Jahr in Neuseeland. Herder. 2014. 192 Seiten, 12,99€ (Klappenbroschur).

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