Fayra — Das Herz der Phönixtochter von Nina Blazon

Wann immer Nina Blazon ein Buch für junge Leser*innen herausbringt (korrigiere: wann immer sie ein Buch herausbringt, egal für welche Zielgruppe), bin ich bereits verzückt, wenn ich den Klappentext auch nur anlese. Bei Fayra — Das Herz der Phönixtochter war es wieder genauso. Ein altes Herrenhaus und ein geheimnisvoller Park dahinter? Das kann ja nur atmosphärisch genial werden. Zudem mochte ich die jungen Charaktere in Nina Blazons Romanen bisher jedes Mal sehr gern, weil diese immer sehr vielschichtig waren. So ist es auch bei der ruhigen und auf ihre ganz eigene Weise mutigen Protagonistin Anna-Fee in dieser Geschichte.

Cover Fayra

Weil es schon immer der Wunsch ihrer Mutter gewesen ist, sind Anna-Fee und ihre Eltern in eine Wohnung in der Leo Mansion, einem alten Herrenhaus, eingezogen. Sie wohnen somit zwar immer noch im selben Ort, doch Fee wäre viel lieber in der Nachbarschaft geblieben, in der auch ihre beste Freundin Nelly lebt. Sie fühlt sich nicht wohl in diesem neuen, alten Haus und so beginnt dieses Buch auch gleich mit einem Alptraum, der sich täuschend echt anfühlt. Aufgrund eines Unfalls hat Fee sowieso häufiger diesen Traum, doch diesmal geht er weiter: Fee steht an ihrem Fenster und entdeckt draußen eine der marmornen Figuren, die eigentlich die Balkone am Haus stützen. Aber diese hier klettert munter an der Fassade herum! Kann doch nicht sein, oder? War das nun der Traum oder war sie doch hellwach? Fee ist verängstigt und unsicher, ihre Freundin Nelly hingegen sofort voller Tatendrang und zusammen versuchen sie herauszufinden, was es mit dem Park, aus dem die Figur sicher kam und den niemand betreten darf, auf sich hat.

Fayra

Mit Illustrationen von Gerda Raidt.

Aus diesem abenteuerlichen Beginn entwickelt sich eine Geschichte, die nach und nach immer komplexer und phantasievoller wird. Die Atmosphäre in diesem alten Haus und all die Geheimnisse sind genauso mitreißend, wie ich sie erwartet habe. Die beiden Mädchen sowie weitere Charaktere, die im Laufe der Geschichte dazu stoßen, entwickeln sich weiter und zeigen neue Seiten von sich. Ein besonderer Fokus wird dabei auf Freundschaft gelegt, sowohl von bestehenden und tiefen Freundschaften als auch von neuen Begegnungen wird einfühlsam erzählt. Eine der tollsten Überraschungen in diesem Buch war eine wundervolle politische Botschaft, die einfach so nebenbei eingeflochten wurde, als wäre es das normalste der Welt — genau so, wie es sein sollte also. (Ich hoffe, dass ihr euch ebenso freuen werdet, wenn ihr diese Stelle im Buch entdeckt!)

Nina Blazon hat mit Fayra — Das Herz der Phönixtochter eine zauberhafte Geschichte geschaffen, die vor Phantasie nur so strotzt. Die Auflösung der Geheimnisse führt uns in eine komplexe Welt mit einer langen Vorgeschichte, die ich auf diese Weise überhaupt nicht erwartet habe. Immer wieder wurde ich überrascht und mein Vorstellungsvermögen herausgefordert, sodass ich ganz traurig wurde, wenn ich doch mal wieder in meine eigene, überhaupt nicht Herrenhaus-artige Wohnung ganz ohne geheimnisvollen Park zurückkehren musste.


Weitere Besprechungen:

  • von Lilli:

    Die beiden Mädchen haben mir super gut gefallen, jede auf ihre Art – und am besten im Zusammenspiel.


Nina Blazon: Fayra — Das Herz der Phönixtochter. cbt. 2017. 461 Seiten. Ab 10 Jahren (laut Verlag).


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an cbt und Leserunden.de.

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