Kobrin — Die schwarzen Türme von Caroline G. Brinkmann

Cover Kobrin

Kobrin, eine junge Elfe aus Immerblau, ist eine Außenseiterin. Sie wächst nicht nur weitestgehend ohne Magie bei ihrer Tante auf, da diese Magie in ihrem Haus ablehnt, sondern sie ist auch noch blind. Kobrin kann zwar sehen, aber für eine wichtige Sache sind ihre Augen immer noch blind: Magie. Während all ihre Altersgenossen schon fleißig den Umgang mit Magie üben, wartet sie sehnsüchtig darauf, dass sich ihr drittes Auge öffnet. Dann kann sie nämlich endlich auch zaubern und muss nicht immer die Hänseleien der anderen Jugendlichen ertragen. Eines Tages trifft sie auf dem Weg zum Markt eine alte und offensichtlich verrückte Kräuterhexe, die ihr von einer Prophezeiung erzählt, ihr besondere Gaben zuspricht und auch noch ein kleines Säckchen übergibt, das komischerweise immer wieder bei ihr auftaucht, sosehr sie es auch zu verlieren versucht. Als dann plötzlich auch noch ihr Frosch zu ihr spricht und bald darauf ein Feuer in dem sonst so friedlichen Wald ausbricht, ist ihr ruhiges Leben plötzlich zu Ende, und sie versteht so langsam, dass in dem Säckchen ein ziemlich wichtiger Gegenstand zu sein scheint.

Caroline G. Brinkmann hat mit diesem Auftaktband schon eine sehr interessante und detailreiche Fantasy-Welt geschaffen. In Talan gibt es einerseits viele bekannte Völker und Gebräuche, andererseits kann man hier auch viel neues erleben. Die meiste Zeit verbringt der Leser im Gebiet Argorn, das man sich übrigens in der hinteren Klappe, die eine hübsche Landkarte enthält, im Detail ansehen kann. Dort treffen wir zunächst auf die Elfen. Kobrin ist ein aufgeweckter Teenager, neugierig, aber auch ängstlich und vor allem voller Sorge um ihre fehlenden Fähigkeiten. Warum kann gerade sie die Magie weder nutzen noch sehen, während alle anderen Elfen in ihrem Alter schon seit Jahren üben können? Kobrin lebt bei ihrer Tante Mandalena und ist nicht gerade begeistert, als sich ihre Großmutter mit den zwei jungen Enkeln im Schlepptau ankündigt. Die beiden Zwillinge, Luni und Lani, entpuppen sich allerdings doch als angenehme Gäste, mit denen man unbeschwert Streiche aushecken und Fang das Einhorn spielen kann.

Luni entschied sich, in den Bergen nach Edelsteinen zu suchen. Sein Hirsch hatte allerdings einige Probleme die steilen Berghänge zu erklettern und rutschte immer wieder ab, bis er sich schließlich den Fuß verstauchte und eine Pause einlegte. Luni musste eine Runde aussetzen, um die Verletzung zu behandeln und fluchte.

Auf dem Weg zum Markt verändert sich Kobrins Leben allerdings von Grund auf: Sie verläuft sich zum Haus der Kräuterhexe, die ganz offensichtlich verrückt sein muss, als sie ihr eröffnet, dass sie eine ganz besondere Gabe hätte. Kobrin glaubt erst mal nicht daran — was soll an ihr denn besonders sein, wenn sie nicht mal die normale Magie sehen kann? Doch wieder Zuhause, fängt auf einmal ihr neu zugelaufener Frosch an zu ihr zu sprechen. Wessel ist ab dieser Szene ein sehr lustiger und putziger Begleiter, der ihr in den folgenden schweren Zeiten zur Seite stehen wird und so einige Geheimnisse verbirgt.

»Das ist meine ach-so-seltene und besondere Gabe?«
Kobrins Grinsen erlosch. Das gehörte nicht gerade zu den Fähigkeiten, mit denen man sich brüsten konnte und besonders nützlich kam ihr das auch nicht vor. »Das klingt ein wenig langweilig.«
»Langweilig? Du hast doch keine Ahnung, was in einem Froschkopf so vor sich geht.«

Kurz nach dieser Entdeckung muss die ganze Familie nämlich fliehen: Im Wald, der doch sonst immer so sicher war, ist ein Feuer ausgebrochen. Tante Mandalena, die sich vor lauter Angst gar nicht lange überlegt, ob es ein Versehen oder Brandstiftung war, will sofort fliehen. Kobrin schließt sich an, war das Feuer doch sehr seltsam und hat sie verzweifelte Hilferufe hören lassen, die sonst kein anderer bemerkt hat. Dazu kommt noch das Säckchen der Kräuterhexe, das sie einem ominösen Auserwählten bringen soll. Eigentlich hat sie es bei der Hexe zurückgelassen, doch wie von selbst ist es wieder bei ihr aufgetaucht. Kobrin muss sich nun also wohl oder übel auf die Suche machen. Auf ihrer Flucht erleben wir dann nicht nur eine von den unterschiedlichsten Gefühlen geplagte Kobrin — sie hat Angst, ist genervt, dann wieder neugierig, ein fast typischer Teenager also —, sondern auch neue Gegenden dieser Welt, andere Völker und interessante Wesen, die alle ihre spannenden neuen Eigenschaften mit sich bringen.

Cover Kobrin

Ein anderer Handlungsstrang erzählt die Geschichte vom Zauberer Daidalor. Er soll das Heer der Feinde ausspionieren, das plötzlich immer größer wird und im Zusammenhang mit den Bränden zu stehen scheint. Es wird von den Nox, geheimnisvollen Schatten, regiert und Daidalor entschließt sich spontan, nicht nur von außen zu beobachten. Mit seinen magischen Fähigkeiten schafft er sich nicht nur ein anderes Aussehen, sondern auch eine zweite Persönlichkeit namens Boca, eine kriegerische und grausame Person, die allerdings perfekt in ein Söldnerheer passt und dort überhaupt nicht auffallen würde.

Er konnte die Macht in seinem Geist spüren, die ihn wie mit unsichtbaren, kalten Fingern abtastete. Sie schlang sich mit eisigen Händen um seinen Hals und nahm ihm die Luft zum Atmen. Es fühlte sich so an, als ob ihn Augen, direkt durch die schwarzen Steine hindurch, anstarrten.

Mit Daidalor hat Caroline G. Brinkmann nicht nur einen zweiten interessanten Protagonisten geschaffen, sondern auch eine spannende Handlung. Die Persönlichkeitsspaltung ist an sich schon eine mitreißende Sache, als Boca dann allerdings einige Hintergründe über den Feind erfährt, wird es richtig spannend. Ganz mitreißend ist es natürlich geworden, als sich immer mal wieder Parallelen zwischen den beiden Handlungssträngen gezeigt, aber nicht richtig aufgelöst haben. Daidalor und Kobrin erleben hier beide ihre Abenteuer, die sich nach und nach miteinander verknüpfen werden. Dieses Buch endete für mein Gefühl leider mitten im Höhepunkt der Geschichte. Einige Fakten, die hier noch im Verborgenen bleiben, hätten für meinen Geschmack noch aufgelöst werden können, damit man beim Lesen der letzten Seite nicht das Gefühl hätte nur ein halbes Buch gelesen zu haben. Natürlich ist hier auch bereits ein zweiter Band vorhanden, den ich natürlich lesen werde, um weitere Antworten zu bekommen und mehr aus der Welt von Talan zu erfahren.

Ein weiterer kleiner Wermutstropfen, über den ich nicht gern meckere, der mir aber immer mehr aufgestoßen ist, findet sich in Form einiger kleiner Flüchtigkeitsfehler. Oft sind es fehlende oder zu viele Buchstaben, die die Grammatik und den Lesefluss kaputt machen. Vielleicht kleine Tippfehler oder Sätze, die umgestellt, aber dann nicht komplett an die neue Form angepasst wurden. Solche kleinen Patzer stören an sich nicht wirklich (wir sind ja alle nur Menschen), aber leider waren für mein Empfinden ein paar zu viele vorhanden.

Trotz der Kritikpunkte kann ich Kobrin — Die schwarzen Türme für Fans von Fantasy-Romanen nur wärmstens empfehlen. Caroline G. Brinkmann hat hier eine spannende, fantasiereiche und vielschichtige Welt erschaffen und Kobrin auf den Weg zu einer wichtigen Aufgabe geschickt. Ich bin gespannt, wie ihr Abenteuer sich im zweiten Buch weiter entwickeln wird.


Dieses Buch habe ich gelesen, während…

  • ich schon sehnsüchtig auf die Leserunde zum zweiten Teil im Juli gewartet habe.

Reiheninformation:

Herren des Waldes
#1: Kobrin — Die schwarzen Türme
#2: Alania — Das Lied der Geister
#3: Noch ohne Titel


Über die Autorin:

Caroline G. Brinkmann studiert Medizin und widmet sich gleichzeitig dem Schreiben. Bei einem Waldspaziergang vor vielen Jahren entstand das fantastische Lichtbaumreich Argorn und verschwand seitdem nicht mehr aus ihrem Kopf. Während ihres Studiums, reiste sie erneut nach Argorn und es entstand der Fantasyroman „Kobrin“, der erste Teil der Sage um die „Herren des Waldes“. Seitdem gehört das Schreiben zu einem festen Bestandteil in ihrem Leben.

Caroline Brinkmann ist Mitbegründerin des Tintenfeder-Autorenportals, das junge Autoren über die Verlagsbranche aufklärt. (Quelle: Papierverzierer)


Caroline G. Brinkmann: Kobrin — Die schwarzen Türme. Papierverzierer. 2014. 425 Seiten, 14,95€.

Kommentar verfassen