Eine Prinzessin und Weihnachten: Die Illustrationen von Lydia Rode

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Roman von Walter Moers erinnern: Es war „Rumo & die Wunder im Dunkeln“ und ich habe ihn auf einer nächtlichen Busfahrt nach London gelesen. Ich war sofort fasziniert von der Geschichte, der Kreativität, den Wortwitzen und vor allem den Zeichnungen darin. Ich wünschte, ich könnte spontan in die kleine Stadtbücherei fahren und mir diesen dicken Klopper, der eigentlich überhaupt nicht für eine Reise geeignet war, noch mal ausleihen. Seitdem verfolge ich die Zamonien-Geschichten mit großer Begeisterung, warte wie viele andere darauf, dass (ob?) „Das Schloss der träumenden Bücher“ endlich erscheint, freue mich aber auch über jedes Buch, das bis dahin erscheint. Walter Moers hat in der Zwischenzeit nämlich Unterstützung bekommen: Lydia Rode illustrierte bisher einen Roman und eine Weihnachtsnovelle und gab den Büchern, die zwar immer noch ganz im Moers-Stil daherkommen, eine neue, verträumte Atmosphäre.

Walter Moers in Farbe?!

Während Moers‘ Illustrationen eher hart und kantig daherkommen und im Normalfall in schwarz und weiß, sind Lydia Rodes Zeichnungen runder, weicher und sehr farbenfroh. Was natürlich auch daran liegt, dass sie eine ganz andere Technik nutzt als Moers. Ihre Aquarelle passen perfekt zur Geschichte um „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ und die Reise durch ihr Gehirn, nicht zuletzt, weil es im Grunde eine Art Adaption ihrer Krankheit Chronisches Fatiguesyndrom ist. Ähnlich wie bei Prinzessin Insomnia ist auch hier extreme Schlaflosigkeit ein Symptom. Lydia Rode und Walter Moers haben zusammen eine Geschichte geschaffen, die zwar erzählerisch nicht an das Level der Zamonien-Romane heranreicht, aber doch eine tolle Breite an Wortwitz und Charme enthält. Lydia Rode setzt die literarischen Beschreibungen von Moers auf ihre ganz eigene Weise um und ich bewundere sie für ihre Kreativität.

Team Mythenmetz & Rode

Während die Aquarelle bei „Prinzessin Insomnia“ direkt in die Geschichte einfließen, auch räumlich, sind sie im neuen Büchlein „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ etwas mehr vom Text getrennt. Mit dieser Geschichte sind wir schon wieder mehr in der zamonischen Welt, handelt es sich hier doch um eine Übersetzung eines Briefs von Hildegunst von Mythenmetz an Hachmed Ben Kibitzer. Hildegunst beschreibt ein Fest namens Hamoulimepp, das zum Jahresende auf der Lindwurmfeste von allen — außer ihm selbst — begeistert gefeiert wird und das erschreckende Ähnlichkeit zu unserem Weihnachtsfest hat. Der Dichter rechnet ordentlich mit Hamoulimepp ab, beschreibt ausführlich, was ihm überhaupt nicht gefällt. Er findet am Ende nur wenige Eigenschaften, die ihm daran Freude bereiten, allen voran das Essen. Leider bleibt es in diesem Brief bei bloßen Beschreibungen und Fakten und fühlt sich damit trotz gewohntem Wortwitz nicht besonders atmosphärisch an. Obwohl ausschließlich von der Lindwurmfeste erzählt wird, kam bei mir kein Zamonien-Gefühl auf. Das ist schade, denn ich kann mir Hildegunst inmitten dieser für ihn irrsinnigen Festlichkeiten wunderbar vorstellen und über ihn schmunzeln; der Brief an sich bleibt leider bei den drögen Erläuterungen.

Lydia Rodes Illustrationen sind zum Großteil nach dem Brief zu sehen, in Form von taxonomischen Tafeln. Hier bebildert sie Wesen und andere Dinge, die Hildegunst im Brief erwähnt hat, zum Beispiel Musikinstrumente, Hamoulimepp-Gerichte und Bücher. Auch hier bin ich wieder voller Bewunderung für ihre Kreativität und ihren Stil, dies alles aus den Seiten hervorspringen zu lassen. Jedes Wesen, jeder Hamoulimepp-Brauch wird in zahlreichen farbenfrohen Aquarellen von Lydia Rode lebendig — und das freut mich umso mehr, da der Text selbst leider nicht meinen zamonischen Erwartungen gerecht wurde. Die Illustrationen, und zwar obwohl sie nicht von Walter Moers selbst sind, haben „Hamoulimepp auf der Lindwurmfeste“ doch noch einen zamonisch-verträumten Charme geben können.

Weitere Meinungen

Erwähnte Bücher

Walter Moers: Rumo & die Wunder im Dunkeln. 2003. Piper.
Walter Moers & Lydia Rode: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr. 2017. Knaus.
Walter Moers & Lydia Rode: Weihnachten auf der Lindwurmfeste. 2018. Penguin.

Ich bedanke mich beim Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar von „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“.

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