Queens of Geek von Jen Wilde

Durch meine letzten Lesemonate zieht sich ein sehr schönes Muster. Ich lese vermehrt Geschichten mit queeren Figuren, häufig von own voices-Autor*innen (also solchen, die selbst auch queer sind), und bin bei der Lektüre immer sehr begeistert. Auch bei Queens of Geek war es so. Im Buch werden nur ein paar wenige Tage erzählt und die Handlung selbst gibt nicht rasend viel her, das wird durch die Charaktere allerdings auf jeder einzelnen Seite wieder gutgemacht.

„Drei Freund*innen, zwei Liebesgeschichten, eine Convention“, so wird die Geschichte auf dem Cover angepriesen. Charlie, Taylor und Jamie kommen aus Australien und besuchen gemeinsam die SupaCon in den USA. Erzählt werden die Erlebnisse immer abwechselnd aus der Sichtweise von Charlie und von Taylor. Beide Mädchen sind beste Freundinnen und dabei so, so unterschiedlich. Ich mochte die Dynamik sehr, die dadurch in das Buch gebracht wurde. Die Geschichte selbst fokussiert sich nämlich tatsächlich nur auf diese drei Tage auf der Convention und bietet dadurch gar nicht so viel Abwechslung. Dafür ganz viel Fangirling-Feeling, geek-ige Querverweise auf verschiedene Fandoms, Tumblr und Cosplay, Queerness und frische Verliebtheit.

Cover Queens of Geek

Der Blickwinkel von Charlie ist extrovertiert und aufregend. Sie hat wenige Probleme damit vor vielen Menschen zu sprechen oder sich auf spontane Planänderungen einzustellen. Charlie wurde durch ihren Kanal bei YouTube bekannt und ist mittlerweile auch Schauspielerin. Auf der Con wollte sie eigentlich eine böse, öffentliche Trennung mit ihrem Co-Star Reese hinter sich lassen, bis er dann doch plötzlich selbst dort auftaucht und sie viele Pressetermine trotz Trennungstrauer mit ihm gemeinsam durchstehen muss. Glücklicherweise trifft sie aber auch noch auf eine ihrer liebsten YouTuberinnen, Alyssa, die ihr dort jeden Tag versüßt. Andere Bücher können sich gern in Sachen Diversität ganz, ganz viel hier abschneiden, es wurde nämlich unglaublich gut bearbeitet und ganz natürlich in die Geschichte eingeflochten. Charlie ist bisexuell und über ihren Kanal bei YouTube auch bereits geoutet (es ist also keine Coming out-Story) und es gibt einige interessante Szenen, in denen ihre Bisexualität und die Reaktion von anderen Menschen darauf thematisiert werden. Ansonsten ist es kommentarlos ein Bestandteil ihrer Identität und auf diese Weise funktioniert das in der Geschichte wunderbar.

Bei Charlie hört die Diversität allerdings noch nicht auf, denn da gibt es ja immer noch Taylor. Sie ist ein Fangirl ohnegleichen, läuft die ganze Zeit im Cosplay rum, ist dick und introvertiert, hat Anxiety und ist auf dem Autismus-Spektrum. Ich war von Beginn an begeistert, wie gut und realitätsnah all diese Aspekte dargestellt wurden. Durch Vorträge und ein Sachbuch hab ich bereits schon einiges über Autismus gelernt (ich selbst bin nicht betroffen) und mir beim Lesen mental notiert, dass ich auf jeden Fall berichten muss, wie gut die Autorin das Thema recherchiert hat. Im Nachwort hab ich dann erfahren, dass sie selbst Autistin ist und dass es deshalb schon wieder ein own voice-Thema ist. Wie wundervoll! Auch Taylors Ängstlichkeit hab ich als sehr realistisch wahrgenommen. Obwohl das hier nicht die Sichtweise ist, in der es viel um Queerness geht, haben mir Taylors Erlebnisse noch ein wenig mehr gegeben. Ihre Angst vor der großen Convention und den vielen Menschenmassen und dennoch ihre große Vorfreude, weil sie dort viele weitere Fans und ihre liebste Autorin treffen kann. Taylor ist ein großer Fan von Queen Firestone, einer Buchreihe, die man wegen ihrer Bekanntheit wohl mit Harry Potter vergleichen könnte (hier gab es zum Beispiel auch Menschen, die damit groß geworden sind und bei den Mitternachtsverkäufen in der Schlange standen). Queen Firestone-Geschichten scheinen aber sehr viel feministischer zu sein, weshalb mir hier auch ein direkter Vergleich mit Harry Potter schwer fallen würde. Das Fangirling auf der Convention und über Tumblr und Twitter gab der Geschichte um Taylor einen wundervollen Hintergrund.

Queens of Geek ist ein wunderschönes Buch, das zwar keine herausragende Handlung hat, aber durch die diversen und realitätsnahen Figuren ein Vorbild für viele andere Bücher sein sollte. Jen Wilde, selbst queer und autistisch, weiß eben, worüber sie schreibt und das wird auf jeder Seite deutlich. (Queer) representation is queen.


Weitere Besprechungen:

  • Kitsune schreibt:

    Dieser Roman zeigt auf eine wunderbare Art und Weise, wie man Menschen mit Angststörungen unterstützen kann und wie normal der Umgang LGBTQ Themen sein sollte.

  • Traumrealistin mochte das Buch auch:

    Die Liebesgeschichten – die ja schon auf dem Cover angekündigt werden und eindeutig der Fokus des Buches sind – sind herrlich herzerwärmend und zuckersüß.


Jen Wilde: Queens of Geek. Swoon Reads. 2017. 288 Seiten. Bisher nur auf Englisch.

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