The Greyfriar von Clay und Susan Griffith (gelesen von James Marsters)

Cover Vampire Empire: The Greyfriar

Ja, ich gebe es ganz offen zu: Dieses Hörbuch habe ich nur gekauft, weil es von James Marsters (Spike aus Buffy the Vampire Slayer) gelesen wird. Als ich erfahren habe, dass er sich nun schon seit Längerem als Sprecher betätigt, war ich richtig aus dem Häuschen. Er spricht Spike fabelhaft, was soll da schon beim Vorlesen schief gehen? Nach diesem Hörbuch kann ich guten Gewissens sagen: Gar nichts. Er spricht super. Man kann ihm gut folgen, die Personen betont er individuell und seine Akzente sind der Knaller. Das erste englische Hörbuch überhaupt oder seit Jahren sollte es allerdings vielleicht doch nicht sein, ich könnte mir vorstellen, dass man dann viel verpasst. Auf Audible gibt es eine Hörprobe. Und die Geschichte selbst, hach! Hätte ein anderer Sprecher vorgelesen, wäre ich da wohl nie dran gegangen. Danke, James Marsters, dass du dafür gesorgt hast, dass ich diese Großartigkeit nicht verpasse.

The Greyfriar ist der erste Band einer Reihe namens Vampire Empire. Und genau da hätte man mich wahrscheinlich schon abgehängt. Hat zwar einen witzigen Klang, aber mit Vampiren bin ich irgendwie durch. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, bei Elke Aybar ist es ja auch gut ausgegangen. Bei Goodreads wird dieses Buch in die Genres Science Fiction und Steampunk eingeordnet, ein steampunkiges Feeling gibt es allerdings nicht wirklich; nur um mal falschen Erwartungen vorzubeugen. Die Geschichte spielt im Jahre 1870, es gibt Fluggeräte und so was, aber das war es dann auch schon. Das ist allerdings sowieso nicht die wichtigste Eigenschaft dieser Reihe, denn das sind die Vampire. Und zwar ganz andere Vampire als man es sonst vielleicht gewohnt ist. Sie müssen sich zwar von Blut ernähren, aber da hören die Zusammenhänge dann auch schon auf. Es weiß zum Beispiel niemand, wie Vampire entstehen. Dadurch, dass ein Mensch das Blut eines Vampirs trinkt, schon mal nicht. Und dennoch entstehen ständig neue. An sich gab es in dieser Welt schon immer Vampire, doch diese lebten recht zurückgezogen. Bis sie sich dann plötzlich aufschwangen und die halbe Menschheit auslöschten und das Vampire Empire errichteten.

The Greyfriar beginnt mit Prinzessin Adele (von James Marsters übrigens Ah-day-la ausgesprochen, ich werde den Namen nie wieder wie Adäll lesen können), die sich auf einer Überfahrt zu ihrem zukünftigen Verlobten Clark macht. Sie ist die Prinzessin von Equatoria und soll zu politischen Zwecken heiraten, damit die Menschen stärker werden und sich die Welt zurückerobern können und so weiter, ihr könnt euch das bestimmt schon vorstellen. Natürlich finden die Vampire das ganz und gar nicht gut, greifen ihr Luftschiff an, Ah-day-la wird verschleppt — und prompt wieder gerettet. Und zwar vom mysteriösen und namensgebenden Greyfriar. Ab da sind sie auf der Flucht und unsere Heldin erlebt die krassesten Sachen und trifft die komischsten Personen.

An sich habe ich das Gefühl, dass ich meinen Text an dieser Stelle schon beenden könnte. Das reicht doch VOLLKOMMEN, um alle neugierig zu machen. Aber nein, ein bisschen schwärmen muss schon drin sein. Ein erster Punkt, warum mir diese Geschichte so gut gefallen hat, waren die vielen innovativen und kreativen Einfälle des Autorenpaars. Eine Gesellschaft wie diese ist mir noch nie untergekommen und es hat unheimlich viel Spaß gemacht diese kennenzulernen und zu analysieren. Zweitens gab es in diesem Buch eine der krassesten und überraschendsten Wendungen überhaupt. Einfach weil das so super verstrickt war. Da das Buch aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben war, wurde eine Wendung schon recht früh aufgelöst, aber eben so, dass es nur die Leser wussten und nur die betroffene Person, alle anderen jedoch nicht. Da war es schon spannend genug mitzufiebern, wann die anderen es dann endlich mal checken. Doch dann — kabumm! Kommt aus heiterem Himmel einfach noch was viel unerwarteteres. Diese Stelle habe ich mir wirklich mehrfach anhören müssen, so wenig konnte ich das im ersten Moment glauben. (Es wäre allerdings interessant zu wissen, ob meine Überraschung genauso groß gewesen wäre, wenn ich das Buch selbst gelesen hätte. Beim Zuhören entwischen mir schon ein paar mehr Hinweise als beim Lesen.) und schließlich, drittens, sind mir die Charaktere unglaublich ans Herz gewachsen. Haupt- sowie Nebencharaktere sind detailliert, interessant und glaubwürdig ausgearbeitet und vor allem abwechslungsreich. Eine kleine Romanze fürs Herz gibt es auch — und damit sind wir bei noch einem Punkt, der diese Geschichte zu was richtig tollem macht. Ich kann und möchte bei den meisten Geschichten gern auf eine Liebesgeschichte verzichten. Hier wäre sie im Grunde auch nicht unbedingt nötig gewesen und DENNOCH ist sie mir voll ans Herz gegangen, ich konnte mitfiebern und mithachen und mir das Herz brechen lassen.

The Greyfriar ist ein Buch, das ich absolut empfehlen kann. Die Geschichte ist neuartig, spannend, packend und Adele ist eine tolle Protagonistin. So wie es aussieht, wurde bisher leider nur dieser erste Band von Heyne übersetzt und ist bereits 2011 unter den Namen Vampire Empire – Schattenprinz erschienen. Man findet zwar einen Titel für die Übersetzung des zweiten Bandes — Nachtzauber —, doch wenn sich da seit vier Jahren nichts mehr getan hat, sieht’s leider schlecht aus. The Greyfriar endet zwar, allerdings eher mit einem Etappenziel, das dann doch viel offen lassen würde.


Reiheninformation:

Vampire Empire
#1: The Greyfriar
#2: The Rift Walker
#3: The Kingmakers
#4: The Geomancer


Clay und Susan Griffith: The Greyfriar. Gelesen von James Marsters. Buzzy Multimedia. 2012. 10h39m.

Deutschsprachige Ausgabe:
Clay Griffith und Susan Griffith: Vampire Empire — Schattenprinz. Übersetzt von Anita Nirschl. Heyne. 2011. 449 Seiten. 7,99€ (Ebook), 8,99€ (Taschenbuch, nicht mehr überall erhältlich).

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