The Painted Man | The Warded Man von Peter V. Brett

Cover The Painted ManDas erste Buch, das ich 2016 zu Ende gelesen habe, war ein Buch mit Extremen. Einerseits war ich viele Stunden regelrecht süchtig nach der Geschichte; andererseits hatte dieses Buch ziemlich krasse Elemente, mit denen ich überhaupt nicht einverstanden war und bei denen mir fast schlecht geworden ist. Bevor ich mich wieder hineinsteigere, erzähle ich euch erst mal, was The Painted Man —das ist der UK-Titel, in den USA heißt dieses Buch The Warded Man und die deutsche Übersetzung Das Lied der Dunkelheit— über weite Strecken lesenswert gemacht hat.

The Painted Man spielt in einer Welt, in der die Bewohner nur tagsüber ihrem Leben nachgehen können. Die Gesellschaft war früher bereits eine sehr fortschrittliche, ist allerdings komplett zusammengebrochen, als die Dämonen zurückgekommen sind. Diese Elementardämonen kommen aus dem Kern, sobald die Sonne untergegangen ist, und töten alles, was sie finden können. Mit Hilfe der wenigen überlieferten Siegel können die Menschen diese Dämonen wenigstens aus ihren eigenen Häusern fernhalten, müssen ansonsten jedoch die Zerstörungswut der Dämonen aushalten. Reisen zwischen den Städten und Dörfchen gestalten sich demnach auch unglaublich schwierig, weil man nachts unmöglich im Freien bleiben kann. Lediglich einige Kuriere trauen sich dies zu und müssen nicht nur Briefe zustellen, sondern auch lebenswichtige Utensilien und Lebensmittel. Im ersten Buch der fünfteiligen Reihe begleitet man drei Protagonisten, die im Verlauf der Geschichte erwachsen werden und sich zunächst nicht kennen. Arlen, Leesha und Rojer sind junge Menschen, die von Schicksalsschlägen geplagt wurden oder allgemein nicht das einfachste Leben hatten. Sie entdecken jedoch recht schnell ihre wahren Talente und von da an widmen sie ihre Leben ihren neuen Gaben und wie sie sie verbessern können. Arlen möchte unbedingt ein Kurier werden und ist schon von Kind auf ein Meister darin Siegel zu zeichnen; Leesha wird zur Heilerin ausgebildet; und Rojer, dem in diesem Band noch recht wenige Seiten gewidmet sind, möchte Jongleur werden. Diese drei Personen erforschen nach und nach ihre Fähigkeiten, werden immer besser darin, entdecken neuartige Eigenschaften und forschen ständig weiter. Obwohl sie alle in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, die sich lieber vor den Dämonen versteckt, beginnen sie auch diese zu erforschen. Genau das ist es, was ich an dieser Geschichte am meisten gemocht habe. Besondere Fähigkeiten zu erforschen, die bislang noch relativ unbekannt sind, finde ich an Fantasyromanen fast immer am spannendsten und ich lechze jede Seite danach, dass die Charaktere weitere neue Dinge ausprobieren. Allerdings sind damit leider auch schon alle Punkte, die mir rundum gefallen haben, abgedeckt. Schade fand ich hier lediglich, dass Peter V. Brett sich dazu entschieden hat, diese Forschungen teilweise in Form von Zeitsprüngen und Rückblicken nur zusammenfassend zu erzählen. Die restlichen Elemente hatten immer einen faden Beigeschmack oder waren gleich ganz schrecklich.

Cover Das Lied der DunkelheitPeter V. Brett hatte mit dem Entwurf dieser Welt sicherlich die Absicht, auf eine pointierte Weise verschiedene Gesellschaften und Strukturen abzubilden. Teilweise ist ihm dies gut gelungen, viele weitere Male hat es mir auf negative Weise eine Gänsehaut beschert, weil der Autor für meinen Geschmack zu sehr mit Extremem gespielt hat. Natürlich gehören auch Extreme zu einer solchen pointierten Darstellungsweise, dennoch hat dies in diesem Buch dazu geführt, dass vieles einseitig wurde und anderes furchtbar klischeehaft. Insgesamt ist die Welt, in der Arlen, Leesha und Rojer leben, unglaublich misogyn, Gewalt gegen Frauen ist also allgegenwärtig. Diese grundlosen Gewalttaten sind etwas, das hier nichts zum Plot beigetragen hat, sondern wegen der Schockmomente einfach nur da war. Das führt dann auch dazu, dass fast jeder Mann zu einem hirnlosen, potenziellen Vergewaltiger mutiert und zumindest die Androhung von Missbrauch an jeder Ecke ist. Wieso muss es in jeder mittelalterlich angelegten Welt so ein krasses Bild von Gewalt gegen Frauen geben? Mir ist jedes Mal schlecht geworden, wenn wieder solche Andeutungen im Raum standen. Dazu kommt noch, dass die meisten Frauen —Leesha und ihre Lehrerin waren natürlich die einzigen, die ihr Hirn benutzen konnten— eindimensionale Gebärmütter auf zwei Beinen und furchtbare Lästermäuler sind, die ständig ihren Männern fremdgehen, aber andere Frauen verdammen, die es wagen sich dabei erwischen zu lassen. Und wenn eine Frau doch mal nicht will, dann nimmt sich der Mann eben, „was ihm zusteht.“ Abgesehen davon, dass ein Großteil der Nebenfiguren deshalb in ihren Klischees gefangen war und nicht interessant handeln konnte, sehe ich diese Darstellungen als absolut unnötig und widerlich an und mir hat es viel Lesegenuss zerstört.

Insgesamt habe ich allerdings dennoch Hoffnung, dass die Geschichte mehr bieten kann als nur klischeebeladene Extreme und sinnlose, schockierende Gewalt. Die drei Protagonisten und ihre Talente habe ich als so faszinierend empfunden, dass ich unbedingt mehr über ihre Fortschritte lesen möchte. Und die pointiert-übertriebenen Gesellschaften können gar nicht mehr schlimmer werden.


Reiheninformation:

#1: The Painted Man | The Warded Man | Das Lied der Dunkelheit
#2: The Desert Spear | Das Flüstern der Nacht
#3: The Daylight War | Die Flammen der Dämmerung
#4: The Skull Throne | Der Thron der Finsternis
#5: The Core (2017)


Peter V. Brett: The Painted Man. Harper Voyager. 2009. 544 Seiten, ca. 5 – 11€ je nach Ausgabe.

Deutschsprachige Ausgabe: Peter V. Brett: Das Lied der Dunkelheit. Übersetzt von Ingrid Herrmann-Nytko. Heyne. 2009. 797 Seiten, 15€.

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