This is Not a Test von Courtney Summers

Cover This is Not a TestZombies sind nichts für mich. Ohne je viel mit diesen Kreaturen, die so oft nach Hirn gieren, zu tun gehabt zu haben, meine ich einschätzen zu können, dass mir Splatter-Zombie-Geschichten nicht besonders gut gefallen würden. This is Not a Test allerdings wurde als anderes Zombiebuch angepriesen, als ich es vor einiger Zeit entdeckt habe, und diese Beschreibung hat mich dann doch neugierig gemacht. Zombies spielen hier zwar eine Rolle, doch sie sind lediglich die Voraussetzung dafür, dass eine Geschichte wie diese erzählt werden kann. In diesem Buch geht es nämlich um viel mehr: Es handelt vom Überleben, von Gruppendynamik, Zusammenhalt und Verrat, von Misshandlung, vom Aufgeben und Selbstmord.

This is Not a Test spielt fast ausschließlich in einem Schulgebäude. Sechs Jugendliche konnten dorthin flüchten und haben sich verbarrikadiert. Nun sind sie erst mal in Sicherheit, Angst haben sie dennoch, denn die Zombies sind draußen und versuchen Schwachstellen zu finden, die sie zu ihren Mahlzeiten hereinlassen. Die Protagonistin dieser Geschichte ist Sloane, eine Außenseiterin, unscheinbar und nie richtig beliebt, als so etwas noch zählte. Vor der Apokalypse hat sie mit ihrem Vater zusammengelebt, der sie regelmäßig geschlagen hat. Eigentlich gab es da auch noch ihre Schwester, doch diese ist abgehauen, sobald sie konnte, und hat Sloane mit ihrem gewalttätigen Vater allein gelassen. Und nun? Jetzt, da in der Welt nichts mehr so ist wie zuvor, könnte sie aufatmen und doch denkt sie nur an eines: Dass sie lieber gar nicht mehr da wäre.

I look better than I did three weeks ago. Funny. The end of the world has done less damage to my face. I laugh. I lean against the sink and laugh so hard my sides split and I die and it’s good.

Die Stimmung in dieser Geschichte ist eine melancholische, hilflose und bedrückende. Sloane denkt viel nach, macht sich interessante Gedanken, die mich oft fasziniert haben, obwohl sie doch so traurig sind. In jedem Augenblick denkt sie an ihre Schwester, von der sie sich so verraten fühlt, und an ihren Vater, der sie jahrelang misshandelt hat. Diese Gedanken sind tausendmal größer und präsenter als die Zombies, die pausenlos an die Wände und Barrikaden der Schule hämmern.

I walk over to them and get on my tiptoes but I can’t see anything except sky and then I start thinking about people in space, astronauts, and if they’re just stuck up there forever trying to reach everyone here on earth, getting no answer and not knowing why and I think that would be horrible, but good—the not knowing. I wouldn’t want to know.

Cover Please Remain CalmNatürlich gibt es hier nicht nur Sloane und die Verarbeitung ihrer Traumata, da sind auch noch die anderen fünf Jugendlichen, die es mit ihr in das Schulgebäude geschaffen haben. Diese sechs Menschen müssen diese neue und krasse Situation irgendwie miteinander aushalten, persönliche Differenzen und Streitereien außen vor lassen und sich stattdessen darauf konzentrieren, wie sie überleben und ihren Alltag strukturieren können. Klappt natürlich nur selten reibungslos. Diesen Aspekt der Geschichte empfand ich als genauso spannend wie Sloanes Innenleben. Insgesamt konnte Courtney Summers eine gute Mischung aus diesen Aspekten erzielen und erzählt damit mal eine ruhige, mal eine aufreibende Geschichte. Einige Aspekte hätten jedoch für meinen Geschmack ruhig tiefer behandelt werden können. Es gibt einige Schocker, die im Nachhinein so erscheinen, als wären sie bloß wegen des Schockmoments eingearbeitet wurden, weil sie später gar nicht richtig be- und vor allem verarbeitet werden. Das gab diesem Buch leider stellenweise eine oberflächliche Note.

This is Not a Test hat ein halb-offenes Ende, mit dem man durchaus zufrieden sein könnte. In einer post-apokalyptischen Welt gibt es sowieso keine Sicherheiten mehr, wieso sollte so eine Geschichte dann auch mit einem festen Ende daherkommen? Mittlerweile gibt es allerdings eine Kurzgeschichte, die direkt an das Ende von This is Not a Test anschließt und die ich auch direkt gelesen habe: Please Remain Calm. Mit circa 100 Seiten ist dieses Geschichtchen ein schöner Zusatz, aber mehr auch nicht. Hier wird nicht mehr aus Sloanes Perspektive erzählt, sondern von einem anderen Mitglied der Gruppe. Es hat Spaß gemacht auch diese Person näher kennenzulernen. Ich würde empfehlen, diese Kurzgeschichte direkt im Anschluss an This is Not a Test zu lesen, wenn man Lust hat weiter in dieser Welt zu verbleiben.


Reiheninformation:

#1: This is Not a Test
#2: Please Remain Calm


Courtney Summers: This is Not a Test. 2012. St. Martin’s Griffin, 337 Seiten.

Courtney Summers: Please Remain Calm. 2015. St. Martin’s Griffin, 96 Seiten.

2 Kommentare

  • Klingt sehr interessant! Ich bin auch nicht so der Zombie-Leser, was u.a. damit zusammen hängt, dass ich wahnsinnige Alpträume von Zombie-Filmen bekomme (irgendwie beunruhigt mich dieses Unkontrollierbare auf einer tieferen Ebene). Gleichzeitig klingt das Buch sehr traurig. Ein kaputter Charakter in einer kaputten Welt, irgendwie.

    • Dein letzter Satz beschreibt diese Geschichte sehr gut! Ansonsten glaube ich wirklich, dass man diesen Buch auch mit Zombie-Angst lesen kann. Es gibt zwar einige Szenen, in denen sie sich Zombies stellen müssen, und auch sonst lauert die Gefahr immer im Hintergrund, aber ich bin auch ein Sensibelchen und habe keine Albträume bekommen.

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